Darmverschluss beim Baby : Schnelles Handeln ist lebenswichtig

29. Mai 2019
7 Min.

Bei einem Darmverschluss (Ileus) kann der Darminhalt nicht mehr wie gewohnt zum After transportiert werden. Der Stuhl sammelt sich an einer Stelle und verstopft den Darm. Wird der Darmverschluss nicht rechtzeitig behandelt, besteht das Risiko, dass die Darmwand einreißt und Bakterien in den Bauchraum eindringen. Sie können eine lebensgefährliche Bauchfellentzündung auslösen. Doch ein Darmverschluss tritt nicht nur bei Erwachsenen auf. Aus diesem Grund sollten Eltern Bauchschmerzen beim Baby oder Kleinkind immer ernst nehmen und genau beobachten.

Fakten im Überblick – der Darmverschluss beim Baby und Kleinkind

  • Zu den Symptomen gehören ein verhärteter Bauch, starker Schmerz, Appetitlosigkeit, Durchfall, Blut im Stuhl und das Erbrechen von Nahrung oder Kot.
  • Beim Verdacht eines Darmverschlusses ist schnellst möglichst ein Arzt aufzusuchen.
  • Ein Darmverschluss beim Baby oder Kleinkind wird häufig durch mechanische Auslöser (zum Beispiel Kotklumpen) verursacht.
  • Die Behandlung eines Darmverschlusses besteht in der Regel aus einem Einlauf oder einer Operation.
  • Die Vorbeugung eines Darmverschlusses beim Baby ist nur begrenzt möglich.

Darmverschluss: Gehen Sie bei diesen Anzeichen mit Ihrem Baby zum Arzt

Bei den folgenden Beschwerden ist Achtsamkeit geboten, weil sie ein Hinweis auf einen Darmverschluss sein können:

  • Das Baby schreit, zieht aufgrund von heftigen Bauchschmerzen die Beine an und lässt sich durch nichts beruhigen.
  • Die Bauchschmerzen treten akut auf, sind von Anfang an sehr stark und verlaufen schubartig.
  • Der Bauch ist hart und schmerzt bei Druck.
  • Der Nachwuchs leidet an Appetitlosigkeit.
  • Das Baby oder Kleinkind erbricht Nahrung.
  • Blasse Haut und kalter Schweiß zeigen sich als Zeichen für Angst oder einen Schockzustand.

Im Frühstadium tritt zunächst häufig wässriger, schleimiger Durchfall auf, wenn der flüssige Stuhl noch am blockierten Darmabschnitt vorbeirutscht. Das heißt: Nicht immer kommt es bei einem Ileus zu einem Ausbleiben des Stuhlgangs. Bei einem kompletten Darmverschluss kann es passieren, dass das Baby Kot erbricht, der über den normalen Weg keine Möglichkeit zum Entweichen hat.

Mechanische Ursachen für den Darmverschluss bei Baby und Kind

Ein Darmverschluss kann für Kinder lebensbedrohlich sein

Ein Ileus kann mechanische oder funktionelle Gründe haben. Bei einem funktionellen Darmverschluss versagt die natürliche Darmbewegung aufgrund einer Erkrankung der Muskulatur oder des Nervensystems. Diese Form des Darmverschlusses ist bei Kindern äußerst selten. In den allermeisten Fällen ist der Darmverschluss bei einem Baby oder Kleinkind auf mechanische Ursachen zurückzuführen. So können beispielsweise zu harter Kot, Verwachsungen oder verschluckte Kleinteile den Darm blockieren.

Ein Grund für einen mechanischen Darmverschluss bei Babys ist die sogenannte Invagination oder Einstülpung des Dünndarms. Dabei knickt der Dünndarm so ein, dass er die Darmbewegung des Dickdarms beeinträchtigt. Aufgrund des Wachstumsschubs in den ersten Lebensjahren sind Säuglinge und Kleinkinder davon am meisten betroffen. Eine weitere, bei Kindern häufig anzutreffende Ursache ist eine Verdrehung des Darms (Volvulus). Windet sich die Darmschlinge um sich selbst, schnürt sie eine Passage des Darms ab und verhindert so den Weitertransport des Nahrungbreis.

Impfung erhöht Risiko für Darmeinstülpungen

Seit September 2013 ist die Rotavirus-Impfung in Deutschland Bestandteil der Standardimpfungen für Säuglinge. Rotaviren zählen zu den häufigsten Auslösern von Durchfall und Erbrechen, was durch den hohen Flüssigkeitsverlust für Neugeborene schnell gefährlich werden kann. Nach der Impfung besteht kurzzeitig eine leicht erhöhte Wahrscheinlichkeit, dass Darminvaginationen entstehen, wodurch ebenfalls das Risiko für einen Darmverschluss beim Baby steigt. Daher sollten Eltern, nachdem ihr Kind gegen Rotaviren geimpft wurde, besonders auf mögliche Symptome eines Ileus achten.

Ein Darmverschluss kann beim Säugling auch direkt nach der Geburt entstehen. Manche Neugeborene haben Schwierigkeiten, das Kindspech oder Mekonium (eine Masse aus Galle, Fruchtwasser und verschluckten Hautzellen, die sich vor der Geburt im Darm des Babys ansammelt) auszuscheiden, sodass es gleich in den ersten Tagen zu einem Darmverschluss kommt.

Diagnose und Behandlung

Je schneller ein Ileus diagnostiziert wird, desto besser. Dafür tastet der Arzt zunächst den Bauch des Kindes ab. Mit einer Ultraschalluntersuchung oder einer Röntgenaufnahme lässt sich feststellen, was die Blockade im Darm verursacht. Der Arzt kann einen Darmverschluss mit Mekonium bei Neugeborenen oft mit einem Einlauf aus einer Kochsalzlösung beseitigen. Diese sanfte Behandlungsmethode ist zudem vielversprechend bei einem durch verhärteten Kot ausgelösten Darmverschluss.

Liegt eine Einstülpung des Dünndarms oder eine Darmverschlingung vor, ist meistens eine Operation nötig, bei der der Chirurg den Darm wieder in seine richtige Position bringt. Wird der Darmverschluss zu spät bemerkt und ist die Darmwand bereits verletzt, muss das beschädigte Stück des Darms entfernt werden. Hier besteht die Gefahr, dass durch die Vernarbung neue Hindernisse im Darm entstehen, die das Risiko für einen wiederholten Darmverschluss in Zukunft erhöhen. Nach der Operation bleibt das Baby oder Kleinkind zunächst auf der Intensivstation und erhält eine intravenöse Versorgung, bis der Darm wieder voll funktionsfähig ist.

Darmverschluss beim Baby vorbeugen?

Vorbeugend sind Sie als Eltern kaum in der Lage, etwas gegen einen Darmverschluss beim Baby oder Kind zu machen. Folgende Maßnahmen können Sie jedoch ergreifen:

  • ausreichende Flüssigkeitsaufnahme
  • viel Bewegung
  • Vorsicht beim Spielen mit verschluckbaren Kleinteilen

Wenn Sie dafür sorgen, dass Ihr Kind reichlich trinkt und körperlich aktiv ist, verringern Sie die Wahrscheinlichkeit von Verstopfungen, die in besonders schweren Fällen einen Darmverschluss verursachen können. Lassen Sie Ihr Baby außerdem nie ohne Aufsicht mit kleinteiligen Spielsachen spielen. Einmal in den Mund gesteckt, werden die Teilchen schnell verschluckt und können einen Verschluss des Darms hervorrufen.

Einer Einstülpung des Dünndarms oder einer Darmverschlingung lässt sich jedoch nicht vorbeugen. Hier ist es wichtig, Anzeichen für einen Darmverschluss so früh wie möglich zu erkennen und das Baby unverzüglich zum Arzt zu bringen.

Unbedenkliche Verdauungsbeschwerden

Glücklicherweise sind Verdauungsbeschwerden bei Neugeborenen und Kleinkindern meistens von harmloser Natur. Schließlich muss sich das Verdauungssystem nach der Geburt erst auf Nahrung einstellen. Daher kommt es viel häufiger zu Bauchschmerzen, Blähungen, Durchfall oder Verstopfung. Bei leichten Verdauungsproblemen ist es nicht nötig, zum Arzt zu gehen. Mit Ruhe, Wärme und einer Bauchmassage verschwindet das Bauchweh oft bald wieder.

Peggy Richter
Mail schreiben
Freiberufliche Redakteurin
Themenvorschläge? Anregungen? Schreiben Sie uns!
Pauline Zäh
Mail schreiben
Medizinvolontärin
Themenvorschläge? Anregungen? Schreiben Sie uns!