Morbus Crohn bei Kindern – Diagnose und Behandlung

17. September 2018

Bauchschmerzen und andere Magen-Darm-Beschwerden können bei Kindern zahlreiche Ursachen haben – zum Beispiel zu viele Naschereien. Leidet der Nachwuchs jedoch an wiederkehrenden Schmerzen im Bauchbereich, vielleicht zusammen mit Durchfall oder Gewichtsverlust, kann das ein Indiz für Morbus Crohn sein. Was sollten Eltern zu dieser entzündlichen Darmerkrankung wissen?

Was ist Morbus Crohn?

Morbus Crohn kann bei Kindern zu Wachstumsverzögerungen führen

Morbus Crohn ist eine chronisch-entzündliche Darmerkrankung. Sie bricht vorrangig in der ersten Lebenshälfte aus. In der Regel also schon im frühen Kindesalter. Bei 15 bis 25 Prozent der Patienten entwickeln sich die ersten Krankheitssymptome bereits vor dem 20. Lebensjahr.1 Etwa ein Viertel der Kinder und Jugendlichen mit Morbus Crohn sind bei Krankheitsbeginn jünger als 10 Jahre.2 Mit rund 150 Neuerkrankungen pro 100.000 Einwohnern gehört Morbus Crohn zwar zu den selteneren Krankheiten, aber die steigende Tendenz in nordeuropäischen und nordamerikanischen Ländern hat in den letzten Jahren für eine erhöhte Aufmerksamtkeit gesorgt.

Noch sind die Ursachen für Morbus Crohn nicht endgültig geklärt. Wissenschaftler gehen davon aus, dass die Darmerkrankung durch eine Kombination aus:

  • genetischer Veranlagung (Häufung von Krankheitsfällen innerhalb der Familie),
  • Lebensstil, Infektionen sowie
  • einer veränderten Darmschleimhaut ausgelöst wird.

Heilbar ist Morbus Crohn nicht, aber bei frühzeitiger Diagnose und mit einer passenden Behandlung können Patienten ein nahezu beschwerdefreies Leben führen. Das ist insbesondere bei Kleinkindern von Bedeutung, da bei ihnen die Erkrankung des Verdauungstraktes zu Entwicklungsstörungen führen kann.

Anzeichen für Morbus Crohn bei Kindern

Bei Morbus Crohn kommt es im Verdauungstrakt zu Entzündungen, die Schmerzen verursachen und den Verdauungsprozess beeinträchtigen können. Typische Symptome bei Erwachsenen wie auch bei Kindern sind:

  • Bauchschmerzen (meist im rechten Unterbauch, wobei Kinder oft noch nicht so genau sagen können, wo es ihnen weh tut)
  • Durchfall
  • Appetitlosigkeit
  • Wachstumsverzögerungen
  • Übelkeit
  • Erbrechen
  • Gewichtsverlust
  • Mangelzustände

Der Grund für einen möglichen Gewichtsverlust und mögliche Mangelzustände ist, dass es dem erkrankten Darm nicht mehr gelingt, bei der Verdauung alle wichtigen Nährstoffe zu gewinnen. Das kann in diesem Alter, in dem sich der Körper noch entwickelt, zu Wachstumsverzögerungen führen. Erschwerend kommt hinzu, dass die Entzündung im Darm dem Körper Energie kostet, die dann bei der körperlichen Entwicklung fehlt. Essen die Kinder aufgrund von Bauschmerzen und Appetitlosigkeit zu wenig, wirkt sich das zusätzlich negativ aus.

Gut zu wissen: Morbus Crohn verläuft in Schüben. Das heißt Phasen mit ausgeprägten Beschwerden wechseln sich mit Ruhezeiten ab. Zudem treten nicht immer alle Symptome zusammen auf, sondern mitunter auch einzeln.

Hinzu können sogenannte extraintestinale Manifestationen auftreten, also Symptome außerhalb des Verdauungstraktes. Dazu gehören Entzündungen der Augen, der Leber, der Gallenwege, der Gelenke und der Haut. Es besteht zudem ein erhöhtes Risiko für Knochenschwund (Osteoporose).

Bleibt die Krankheit unbehandelt, kann es zu einer Beschädigung der Darmwand kommen. Gelangen infolgedessen Bakterien aus dem Darm in die Bauchhöhle, besteht die Gefahr einer lebensbedrohlichen Bauchfellentzündung. Morbus Crohn kann aber auch zu anderen Komplikationen führen, zum Beispiel zu Fisteln (krankheitsbedingte Verbindungen zwischen Darmabschnitten oder dem Darm und anderen Organen), Abzessen sowie Verengungen des Darms, die wiederum eine Verstopfung oder gar einen Darmverschluss nach sich ziehen können.

Mangelzustände und Entwicklungsstörungen

Bei der Behandlung von Morbus Crohn geht es nicht nur um die Verhinderung lebensbedrohlicher Komplikationen. Die Krankheit kann je nach Schweregrad eine enorme Beeinträchtigung im täglichen Leben darstellen. Insbesondere bei Kindern kann die teils mit Verdauungsbeschwerden einhergehende Mangelversorgung schnell zu Wachstums- und Entwicklungsstörungen führen.

Zu Wachstums- und Entwicklungsstörungen kommt es, weil der entzündete Darm nicht in der Lage ist, dem Nahrungsbrei alle notwendigen Nährstoffe zu entziehen. Und das, wo das Kind meist wegen der Appetitlosigkeit und Schmerzen ohnehin schon wenig isst. Auf der anderen Seite verbraucht das Immunsystem aufgrund der dauerhaften Entzündungen viel Energie, die dem Körper dann nicht mehr für die Entwicklung zur Verfügung steht. Kinder mit einem unbehandelten Morbus Crohn wachsen deshalb häufig langsamer. Bei Jugendlichen kommt es unter Umständen zu einer verzögerten Pubertät.

Außerdem scheint es so zu sein, dass sich die Entzündungen bei Kindern und Jugendlichen offenbar schneller ausbreiten als bei Erwachsenen. Sehr viel häufiger sind hier auch die Mundhöhle, die Speiseröhre und der Magen betroffen. Diese mögliche Ausbreitung auf den gesamten Verdauungstrakt ist es, was Morbus Crohn von Colitis ulcerosa, einer anderen chronisch-entzündlichen Darmerkrankung mit ähnlichen Symptomen, unterscheidet. Aufgrund des beschleunigten Krankheitsverlaufs ist das Risiko für bleibende Schäden bei einem Kind deshalb höher, wenn den Entzündungen nicht frühzeitig eine effektive Behandlung entgegengesetzt wird.

Leben mit Morbus Crohn

Je früher Morbus Crohn diagnostiziert und behandelt wird, desto größer ist die Chance, dass das Kind langfristig ein nahzu beschwerdefreies Leben führen kann. Aus diesem Grund sollten Eltern häufiger auftretende Verdauungsbeschwerden des Kindes ernst nehmen und vorsorglich von einem Arzt abklären lassen.

Für die Diagnose werden zunächst Blut- und Stuhluntersuchungen durchgeführt. Bildgebende Verfahren wie Ultraschall und Magnetresonanztomographie (MRT) geben Aufschluss über Gewebeveränderungen im Verdauungstrakt, die auf Entzündungen hinweisen können. Erhärten die Ergebnisse den Verdacht auf Morbus Crohn, kann der Arzt eine Magen-Darm-Spiegelung durchführen, bei der die Schleimhäute der Verdauungsorgane genauer untersucht und gegebenenfalls Gewebeproben für weitere Analysen entnommen werden.

Wird Morbus Crohn diagnostiziert, richtet sich die Behandlung nach dem Schweregrad der Krankheit. Ziel ist es, bestehende Entzündungen zu lindern und neue Krankheitsschübe zu vermeiden. Bei einigen Kindern und Jugendlichen genügt eine medikamentöse Therapie. In schweren Fällen ist jedoch eine stationäre Behandlung notwendig. Unter Umständen erfolgt diese sogar mit künstlicher Ernährung, um den Darm zu entlasten und die Nährstoffversorgung sicherzustellen – und so Mangelzuständen und Wachstumsstörungen entgegenzuwirken. Bestehen bereits Verletzungen in der Darmwand, muss mit dem Arzt gegebenenfalls ein operativer Eingriff in Erwägung gezogen werden.

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Peggy Richter
Redakteur/in