Verstopfung in der Schwangerschaft – ein weit verbreitetes Problem

7. November 2018

Wer in der Schwangerschaft unter Verstopfung leidet, ist damit nicht allein – denn dabei handelt es sich um eine bekannte Schwangerschaftsbeschwerde. Ursache kann unter anderem der veränderte Hormonhaushalt sein. Welche Auslöser noch infrage kommen und was Ihnen gegen die Verstopfung während der Schwangerschaft helfen kann, erfahren Sie hier.

Was Sie zu Verstopfung wissen sollten

Verstopfung tritt nicht nur während der Schwangerschaft auf. Sie kann ganz allgemein viele Ursachen haben:

  • Bewegungsmangel aufgrund langer Arbeitstage am Schreibtisch,
  • ballaststoffarme Kost durch die Verwendung schneller Fertiggerichte
  • oder das Verkneifen des Stuhlgangs, weil mal wieder keine Zeit ist.

Genauso wie der Verdauungsprozess bei jedem Menschen anders verläuft, kann auch Verstopfung ganz unterschiedliche Ausprägungen haben. Generell spricht man von Verstopfung, wenn:

  • mehr als drei Tage kein Stuhlgang erfolgt,
  • der Kot sehr hart und klumpig ist,
  • der Stuhlgang starkes Pressen erfordert,
  • Schmerzen bei der Ausscheidung auftreten oder
  • es beim Stuhlgang zu blutigen Verletzungen am After oder zu Hämorrhoiden kommt.

Typische Begleiterscheinungen von Verstopfung sind Blähungen, Bauchschmerzen und Völlegefühl.

Warum kommt es während der Schwangerschaft zur Verstopfung?

Die Gefahr einer Verstopfung ist in der Schwangerschaft erhöht, weil die Darmbewegung infolge der Hormonumstellung langsamer wird. Der Nahrungsbrei verbringt mehr Zeit im Darm, wo ihm Nährstoffe und Wasser entzogen werden. Das unterstützt die Ernährung des ungeborenen Kindes, aber es macht den Stuhlgang härter, was bei der Ausscheidung Probleme bereiten kann.

Hinzu kommt, dass das heranwachsende Baby mit fortschreitendem Schwangerschaftsverlauf dem Darm Platz wegnimmt und den Transport des Nahrungsbreis durch den Druck zusätzlich behindert. Auch Nahrungsergänzungsmittel, wie zum Beispiel Eisen, das manchen Frauen während der Schwangerschaft empfohlen wird, können Verstopfung verursachen.

Ist eine Verstopfung in der Schwangerschaft gefährlich?

Eine Verstopfung ist unangenehm, unabhängig davon, ob man schwanger ist oder nicht. In den allermeisten Fällen ist sie jedoch ungefährlich und lässt sich mit etwas Geduld und einer Umstellung der Lebensgewohnheiten selbst behandeln.

Während der Schwangerschaft ist es dennoch sinnvoll, bei starken Verstopfungserscheinungen einen Arzt zu konsultieren. Er kann leicht feststellen, ob zum Beispiel ein Nahrungsergänzungsmittel für die Verstopfung verantwortlich ist, und gegebenenfalls eine Alternative empfehlen.

Außerdem kann der Arzt überprüfen, ob es andere Ursachen als die Schwangerschaft selbst für die Beschwerden gibt. Verstopfung kann nämlich auch ein Symptom für andere Krankheiten sein, wie zum Beispiel Diabetes. Werden Erkrankungen nicht rechtzeitig erkannt, können sie zu Komplikationen in der Schwangerschaft führen oder gesundheitliche Folgen für das Kind haben.

Verstopfung während der Schwangerschaft behandeln

Schwangere sollten Abführmittel meiden, da diese vorzeitige Wehen oder eine Fehlgeburt auslösen können

Bei starker Verstopfung liegt der Gedanke an abführende Medikamente nahe. Allerdings sind Abführmittel schon außerhalb der Schwangerschaft keine besonders nachhaltige Behandlung. Sie bieten zwar schnelle Hilfe bei akuter Verstopfung, aber bei langfristiger oder regelmäßiger Einnahme können sie das Problem sogar verstärken.

Während der Schwangerschaft wird komplett von Abführmitteln abgeraten, weil ein Risiko für vorzeitige Wehen oder eine Fehlgeburt besteht. Nur ein Arzt sollte entscheiden, ob der Einsatz eines Abführmittels während der Schwangerschaft gerechtfertigt ist und welches Medikament dafür infrage kommt.

Eine weitere Behandlungsmöglichkeit bei akuter Verstopfung sind Glycerinzäpfchen. Der Wirkstoff weicht den Kot auf, macht ihn gleitfähiger und erleichtert so das Ausscheiden. Aufgrund der lokalen Anwendung ist die Belastung des Körpers sowie des ungeborenen Kindes gering. Glycerinzäpfchen sind zwar verträglicher, sollten aber während der Schwangerschaft auch nur nach Absprache mit der Frauenärztin oder Hebamme eingesetzt werden.

Darüber hinaus gibt es in der Apotheke sanfte Medikamente gegen Verstopfung in der Schwangerschaft. Sie basieren meist auf Flohsamen, Leinsamen oder Milchzucker. Und auch hierbei gilt: Fragen Sie vor der Einnahme Ihre Hebamme oder Ihren Frauenarzt um Rat.

Schwangerschaft ohne Verstopfung – die besten Vorbeugungsmaßnahmen

Am besten ist es natürlich, wenn es gar nicht erst zu einer Verstopfung kommt. Hier können Schwangere durch bewusste Entscheidungen über den Lebensstil selbst viel beitragen. Die folgenden Maßnahmen bringen den Darm in Schwung:

  • Ballaststoffreiche Kost: Ballaststoffe speichern Flüssigkeit im Nahrungsbrei und machen ihn geschmeidig. Ballaststoffe stecken vor allem in Vollkornprodukten, Obst und Gemüse. Besonders reich an Ballaststoffen sind Leinsamen. Mischen Sie jeden Tag einen Esslöffel ins Müsli, in den Joghurt oder unter den Salat und trinken Sie ausreichend dazu.
  • Dörrobst kauen: Insbesondere bei hartnäckiger Verstopfung soll sich das Kauen von Dörrobst positiv auswirken, zum Beispiel von Aprikosen oder Zwetschgen. Sie enthalten zusätzlich wertvolle Vitamine und Mineralstoffe.
  • Viel Trinken: Letztlich ist es der Flüssigkeitsentzug, der den Stuhl so hart macht und zu Verstopfung führt. Wer schwanger ist, sollte deshalb täglich ein bis zwei Gläser Wasser oder ungesüßten Tee zusätzlich trinken, sodass sie auf circa 2,5 Liter am Tag kommen.
  • Sport: Körperliche Betätigung regt die Darmtätigkeit an. Ein Grund für Verstopfung im letzten Drittel der Schwangerschaft ist oft, dass sich die Möglichkeiten Sport zu treiben immer mehr einschränken. Es muss jedoch nicht der Zehn-Kilometer-Lauf sein. Ein langer Spaziergang genügt schon, um Bewegung in den Darm zu bringen.

Weitere Sportarten, die sich auch für das fortgeschrittene Schwangerschaftsstadium eignen, sind Schwimmen und Yoga.

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Peggy Richter
Redakteur/in