Ist die Pille bei Durchfall noch wirksam?

12. Oktober 2018

Die Antibabypille zählt zu den beliebtesten Verhütungsmitteln und gilt als sicherer Schutz vor einer ungewollten Schwangerschaft. Es gibt jedoch einige Faktoren, welche die Wirksamkeit der Pille beeinträchtigen können. Dazu zählen Erbrechen und Durchfall (Diarrhö). Woher weiß man aber in diesem Fall, ob die Pille noch vor einer Schwangerschaft schützt? Ab wann ist es besser, zusätzlich zu verhüten?

Die Drei-bis-Vier-Stunden-Regel bei Durchfall

Durchfall trifft fast jeden einmal und kann unterschiedliche Ursachen haben. Besonders bei jungen Frauen kommt bei Durchfall neben den damit verbundenen Unannehmlichkeiten noch ein weiteres Problem hinzu, nämlich die Frage, ob die Pille noch ihren Schutz behält.

Wichtig: Um Durchfall handelt es sich laut Definition erst, wenn es mehr als drei Mal pro Tag zu stark wässrigem Stuhlgang kommt. Ist der Stuhlgang nur weich oder breiig, hat dies in der Regel keine Auswirkungen auf die Pillenwirkung.


Da die Pille über die Schleimhäute des Magen-Darm-Trakts aufgenommen wird, kann die Wirksamkeit bei Durchfall nicht gewährleistet werden

Im Gegensatz zu anderen Verhütungsmethoden, wie der Spirale, wird die Antibabypille täglich über den Mund (oral) angewendet. Nach dem Hinunterschlucken werden ihre Wirkstoffe von den Schleimhäuten des Magen-Darm-Trakts aufgenommen und an den Blutkreislauf übergeben. Das Blut verteilt sie im ganzen Körper – so kann die Pille ihre empfängnisverhütende Wirkung entfalten.

Tritt Durchfall drei bis vier Stunden nach der Einnahme der Pille auf, besteht demzufolge kein Grund zur Sorge. Die Verhütungssicherheit bleibt voll erhalten. Denn die in der Pille enthaltenen Hormone konnten in dieser Zeit bereits vom Köper verarbeitet werden.

Bei Durchfall innerhalb der ersten drei bis vier Stunden nach der Einnahme sollte sofort (und spätestens bis 12 Stunden nach der üblichen Einnahmezeit) eine weitere Tablette eingenommen werden. Hält der Durchfall weiterhin an, sollte in den nächsten sieben Tagen zusätzlich verhütet werden, zum Beispiel mit einem Kondom. Trotzdem sollten die restlichen Tabletten der Packung weiter eingenommen werden. Liegen mehr als 12 Stunden zwischen der üblichen Einnahmezeit und der Nachhol-Pille, also mehr als 36 Stunden Abstand zur letzten sicher wirksamen Pilleneinnahme, ist der Empfängnisschutz nicht mehr voll gewährleistet.

Minipille oder Mikropille?

Es gibt mehrere Arten von Pillen, die sich in ihrer hormonellen Zusammensetzung unterscheiden:

  • Die meisten erhältlichen Präparate sind Mikropillen, die sich aus den Hormonen Östrogen und Gestagen zusammensetzen. Sie verhindern, dass bei der Frau der Eisprung stattfindet, beziehungsweise dass die Spermien bis in die Gebärmutter vordringen können. Die Minipille wird 21 Tage eingenommen und dann eine Pause von sieben Tagen eingehalten.
  • Die Minipillen enthalten hingegen nur den Bestandteil Gestagen, der dafür sorgt, dass die Eizelle nicht befruchtet werden kann. Sie enthalten kein Östrogen und sind deshalb auch für übergewichtige Frauen, Raucherinnen und Diabetikerinnen geeignet. Die Minipille wird durchgängig ohne Pause eingenommen. Bei den Minipillen unterscheidet man zwischen der klassischen Minipille mit 30 Mikrogramm Levonorgestrel und der neueren Minipille mit 75 Mikrogramm Desogestrel als Wirkstoff. Während bei der veralteten Minipille mit Levonorgestrel die Einnahme relativ pünktlich zur selben Zeit erfolgen muss, ist die Einnahme bei der neueren Minipille flexibler – eine verspätete Einnahme bis zu 12 Stunden ist möglich.

Je nach Art der Pille müssen unterschiedliche Grundregeln beachtet werden, wenn die Frist von drei bis vier Stunden nicht eingehalten wurde. Informieren Sie sich deshalb, ob es sich bei Ihrer Antibabypille um eine Mikro- oder Minipille handelt. Vor allem, wenn Sie eine klassische Minipille einnehmen, sollten Sie bei Durchfall zur Sicherheit den Frauenarzt kontaktieren.

Des Weiteren kann die Pille auch nach Ein-, Zwei- und Dreiphasenpräparaten unterschieden werden. Die meisten Frauen nehmen eine sogenannte Einphasen-Pille (Kombinationspille). Das bedeutet, alle 21 Pillen eines Blisters bestehen aus der gleichen Zusammensetzung. Bei der Zweiphasenpille enthalten die Pillen der ersten elf Tage der Einnahme hingegen nur Östrogen, und ab dem zwölften Tag noch zusätzlich Gestagen. Dadurch sollen die Hormone den natürlichen Schwankungen des weiblichen Zyklus besser angepasst werden. Noch stärker ahmt die Dreiphasenpille die Hormonschwankungen der Frau nach; hier wechselt die Zusammensetzung der Hormone in drei Phasen.

Das 12-Stunden-Fenster zum Nachholen der Pille

Erfolgt die Einnahme der Nachhol-Tablette bei der Pille erst zwölf oder mehr Stunden nach der üblichen Einnahmezeit, gilt dies als ein Vergessen der Einnahme. In diesem Fall sollten Betroffene gegebenenfalls einen Arzt oder Apotheker zu Rate ziehen.

ACHTUNG! Folgende Ratschläge gelten nur für die Mikropille! Wenn Sie eine Zwei-, Dreiphasenpille oder Minipille (reine Gestagenpille ohne Östrogen) haben, dann gelten folgende Ratschläge nicht für Sie. Halten Sie sich in diesem Fall an die Anweisungen Ihres Frauenarztes.

Bei einer Mikropille trifft für die Wahrscheinlichkeit einer Schwangerschaft folgendes Schema zu, je nachdem in welcher Woche die Pille wegen des Durchfalls nicht wirksam war oder zu spät nachgeholt wurde:

  • 1. Woche (1. – 7. Pille):
    Wird die Pille in der ersten Woche der Blisterpackung vergessen, ist der Schutz für die nächsten sieben Tage nicht gewährleistet, weshalb in diesem Zeitraum zusätzlich verhütet werden sollte. Nach regelmäßiger Einnahme ist der Empfängnisschutz nach sieben Tagen wiederhergestellt. Bei ungeschütztem Geschlechtsverkehr vor dem Vergessen kann unter Umständen die Anwendung der Pille danach notwendig sein, weil Spermien im Körper der Frau fünf bis sieben Tage überleben können.
  • 2. Woche (8. – 14. Pille):
    Wenn die Pille in der ersten Woche korrekt angewendet wurde, ist die Sicherheit auch ohne zusätzliche Verhütungsmittel gewährleistet.
  • 3. Woche (15.-21. Pille):
    Es gibt zwei verschiedene Möglichkeiten vorzugehen: Entweder man nimmt die vergessene Pille sofort nach und fährt gewohnt mit der Einnahme fort. Der Schutz vor einer Schwangerschaft besteht fort. Unmittelbar nach dem Ende der aktuellen Zykluspackung wird eine neue Packung begonnen. Die siebentägige Pause dazwischen entfällt. Oder man beendet die Einnahme und beginnt mit der siebentägigen Pause. Der Tag, an dem die Pille vergessen wurde oder die Nachhol-Pille bei Durchfall zu spät nachgeholt wurde, gilt dann als erster Tag der Pause.
Tipp:
Auf der Packungsbeilage Ihrer Pille finden Sie in der Regel genaue Vorschriften, die Sie bei Durchfall beachten sollten!

Wenn Sie häufiger an Durchfall leiden oder sogar chronischen Durchfall haben, sollten Sie Ihren Verhütungsschutz am besten mit einer Frauenärztin besprechen. Im Zweifelsfall ist es ratsam, immer zusätzlich zu verhüten.

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Miriam Och
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Medizinredakteurin und Kommunikationswissenschaftlerin