Kümmel: Der natürliche Klassiker gegen Blähungen und andere Verdauungsbeschwerden

4. Juni 2019
8 Min.

Wenn es um die Linderung von Blähungen geht, steht Kümmel ganz oben auf der pflanzlichen Helfersliste. Seine blähungslindernde Wirkung verdankt er dem enthaltenen ätherischen Öl. Zudem ist Kümmel bei innerer Einnahme gegen Völlegefühl, leichte krampfartige Magen-Darm-Störungen sowie Verdauungsbeschwerden wirksam. Doch wie genau wirkt er eigentlich? Und welche Darreichungsformen gibt es? Lesen Sie hier alles Wichtige.


Auf einen Blick – Wissenswertes zu Kümmel

  • Heilkraft: blähungstreibend, krampflösend, verdauungsfördernd, appetitanregend
  • Inhaltsstoffe: ätherisches Öl, Flavonoide (sekundäre Pflanzenstoffe), Phenylcarbonsäuren (Kaffeesäure), Gerbstoffe, Cumarine (sekundäre Pflanzenstoffe), fettes Öl, Eiweiß sowie Harze und Zucker
  • Anwendung: die Früchte als Tee oder Kümmelmilch zubereitet, in Fertigpräparaten, als Aperitif oder Gewürz
  • Botanik: Familie der Doldengewächse; doppeldoldige Blütenstände mit weißen Einzelblüten; Blütezeit Mai bis Juni/Juli; Vorkommen in Mitteleuropa

Wie wirkt Kümmel auf Magen und Darm?

Kümmelpflanze mit den bekannten braunen Körnern. Sie sind bei Blähungen und Magenbeschwerden hilfreich.

Der Kümmel (Carum carvi) gilt als stärkstes Karminativum, sprich phytotherapeutisches Mittel gegen Blähungen. In seiner Wirkung übertrumpft er sogar die Heilpflanzen Anis und Fenchel, die ebenfalls blähungstreibende Eigenschaften aufweisen. Neben dem Anwendungsgebieten Blähungen und Blähbauch hat sich Kümmel auch bei dyspeptischen Beschwerden wie Völlegefühl, Oberbauchschmerzen und Übelkeit bewährt, sowie bei krampfartigen Magenschmerzen und Appetitlosigkeit.

Das ätherische Öl (bestehend aus Carvon, Limonen, Carveol, Dihydrocarvon) ist der Hauptwirkstoff. Er wird mittels Wasserdampfdestillation aus den Früchten gewonnen. Folgende Eigenschaften bringt er mit:

  • blähungstreibend
  • krampflösend
  • verdauungsfördernd
  • durchblutungsfördernd (auf die Magen-Darm-Schleimhaut)
  • appetitanregend

Für das ätherische Öl (Kümmelöl, auch Carvi aetheroleum) ist zudem eine fungizide Wirkkraft (tötet Pilze) nachgewiesen.1

In der Regel wird Kümmel innerlich verwendet. Kümmelöl ist aber auch äußerlich anwendbar. Eine Ölmassage des Bauches – im Uhrzeigersinn – soll ebenfalls eine mildernde Wirkung auf Blähungen haben. Das Öl sollte dabei mit einem Trägeröl (wie Mandelöl) verdünnt werden, da es bei einer konzentrierten Anwendung zu Nebenwirkungen wie Hautrötungen kommen kann.

Aha!

Kümmel ist auch für Säuglinge geeignet, die gestillt werden. Über die Muttermilch gelangen die entblähenden Wirkstoffe zum Kind und können beispielsweise Dreimonatskoliken (starke Bauchschmerzen und Magenkrämpfe) lindern, die auf das Schlucken von zu viel Luft beim Trinken zurückzuführen sind.

Wie ist Kümmel einzunehmen?

Als traditionelles pflanzliches Arzneimittel zur Linderung von Blähungen und anderen Darm- und Magenbeschwerden findet Kümmel in Fertigpräparaten und als Hausmittel Anwendung. Arzneilich werden die reifen Früchte sowie das daraus aufbereitete Öl verwendet.

Unter anderem gibt es folgende Darreichungsformen:

  • Kümmelfrüchte als Tee oder in Teeaufgussbeuteln
  • Alkoholauszüge in Tropfen
  • Trockenextrakt in Dragees
  • Kümmelöl in Kapseln oder Flüssigkeiten

Das Öl kann mehrmals täglich innerlich angewandt werden: 3 bis 5 Tropfen auf ein Stück Zucker geben oder verdünnt mit Wasser einnehmen.2 Auch eine 1 Tasse Kümmeltee können Sie öfter über den Tag verteilt trinken. Die Dosierung anderer arzneilicher Mittel richtet sich nach der Darreichungsform. Anwender lesen am besten die Packungsbeilage oder fragen ihren Arzt oder Apotheker.

Übrigens: Kümmel kommt selten allein. Oftmals findet sich in pflanzlichen Arzneimitteln – und auch Tees – eine Kombination mit Anis und Fenchel, die eine ähnliche Wirkung entfalten und sich dahingehend verstärken. Ein weiterer Vorteil: Gegenüber synthetischen Medikamenten, die meist nur einen Wirkstoff aufweisen, wird so ein breiteres Wirkspektrum erreicht.

Was darf es sein: Kümmelmilch oder -tee?

Ob Übelkeit, krampfartige Magenschmerzen oder andere dyspeptische Verdauungsbeschwerden: Kümmeltee ist ein beliebtes Hausmittel zur Linderung der Symptome. Für die Zubereitung nehmen Sie 1 Teelöffel frisch zerdrückten Kümmel – so kann das ätherische Öl in den Tee gelangen – und geben diesen in 150 Milliliter kochendes Wasser. Für 10 bis 15 Minuten ziehen lassen und nach dem Abseihen noch warm trinken.2

Sie mögen den Geschmack von Kümmeltee nicht? Dann probieren Sie doch einmal Kümmelmilch. Hierfür 1 Teelöffel der zerquetschten Früchte in einer Tasse heißer Milch für 10 Minuten ziehen lassen.2 Kümmelfrüchte abseihen und das Getränk warm genießen – wird auch von Kindern gemocht.

Kümmel ist jedoch nicht nur in der Medizin gefragt: Seine lindernden Eigenschaften kommen ebenso Speisen zugute – sei es in Form von Aperitifs oder als Gewürz. Dabei verfeinern die Früchte nicht nur das Essen geschmacklich, sie können auch bestimmte Lebensmittel – beispielsweise Kohl oder Sauerkraut – leichter verdaulich und bekömmlicher machen. Dabei empfiehlt es sich, den Kümmel zermahlen in oder auf das Essen zu geben. Denn ein ganzes Kümmelkorn ist meist nur etwas für Liebhaber des leicht scharfen und gleichzeitig süßlichen Geschmacks. Eine weitere Möglichkeit ist es, ein Kräutersäckchen beim Kochen zu verwenden: Der Kümmel wird in das Säckchen gegeben und so mitgekocht – vor dem Servieren der Speisen ist das Säckchen wieder zu entfernen. Auf diese Weise können die Heilkräfte der Pflanze entweichen, ohne auf die störenden Körner zu beißen.

Gut zu wissen: Wer eine Allergie gegenüber Doldenblütlern hat, sollte besser auf die Einnahme von Kümmel verzichten. Auch Personen mit Gallenbeschwerden und/oder Leberschäden wird von einem Gebrauch abgeraten. Ansonsten gilt Kümmel als gut verträglich. Nur eine starke Überdosierung ist, wie bei allen Pflanzen mit ätherischem Öl, zu vermeiden.

Wissenswertes zur Heilpflanze

Die Kümmelpflanze gehört zur Gattung der Doldengewächse. Zu erkennen ist Kümmel an einer spindelförmigen Wurzel, aus der ein verästelter Stängel mit grünen Blättern treibt. Die doppeldoldigen Blütenstände bilden kleine, meist weiße oder – in seltenen Fällen – rötliche Einzelblüten aus. Blütezeit ist von Mai bis Juni, teilweise auch in den Juli hinein. Wenn die Früchte reif sind, zerfallen diese in zwei sichelförmige Körner.

Kräutersammler aufgepasst!

Aufgrund seines Aussehens besteht Verwechslungsgefahr mit anderen Doldengewächsen, beispielsweise mit dem giftigen Schierling.

Kümmel ist in Mitteleuropa auf Wiesen, Weiden, aber auch an Böschungen oder Wegrändern anzutreffen. Bei wildwachsenden Pflanzen ist die Erntezeit zwischen Juli und September. Sobald die Früchte braun werden, schneidet man die Dolden ab und hängt sie zum Nachreifen auf. Sind diese vollständig getrocknet, lassen sie sich einfach abrebeln (abreiben).

Kümmel, Schwarzkümmel, Kreuzkümmel – ein und dasselbe?

Auch wenn sie sich in ihrer Bezeichnung ähnlich sind, ist Kümmel nicht gleichbedeutend mit Kreuzkümmel (Cumin). Letzterer ist wohl die Urform und in Asien sowie dem Mittelmeerraum verbreitet. Sein herber Geschmack ist vor allem in der ayurvedischen und indischen Küche beliebt – und findet sich mitunter in Curry-Mischungen wieder.

Und wie sieht es mit Schwarzkümmel (Nigella sativa) aus? Dieser gehört zur Familie der Hahnenfußgewächse und ist weder mit Kümmel noch Kreuzkümmel verwandt. Dennoch lässt auch er sich unter anderem bei Blähungen anwenden, vor allem in Form von Schwarzkümmelöl.

Tanja Albert
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Medizinredakteurin