Dreimonatskoliken: Wie Sie Ihrem Baby helfen können

24. Mai 2019
9 Min.

Das Wort Kolik bezeichnet eigentlich das krampfartige und schmerzhafte Zusammenziehen von Muskelgewebe in Organen. Im Zusammenhang mit Babys wird der Begriff Dreimonatskoliken jedoch umgangssprachlich genutzt, wenn es insbesondere in den ersten zwölf Wochen zu starken Schreiattacken kommt. Manche Säuglinge erwecken dabei den Eindruck, dass sie Schmerzen haben. Teilweise krümmen sie sich und das Bäuchlein ist hart und aufgebläht. Lesen Sie hier, welche Ursachen es für Koliken gibt und was Ihnen dabei hilft, Ihr Kind zu beruhigen.


Zu den Informationen:

Wieviel Schreien ist normal? Könnten Koliken der Grund sein?

Noch ist nicht genau geklärt, warum manche Babys in den ersten Lebenswochen unter Koliken beziehungsweise Schreiattacken leiden. Drei Aspekte sollen dabei eine Rolle spielen:

  • Verdauung
  • Sensibilität des Babys
  • Störung der Selbstregulation (dem Baby fällt es schwer, mit dem Weinen wieder aufzuhören)

Auch wenn vermutet wird, dass die Verdauung bei Koliken eine Rolle spielt, so konnte in Studien bislang nicht nachgewiesen werden, dass Babys, die unter Dreimonatskoliken leiden, tatsächlich mehr Luft im Bauch haben als andere Kinder. Deshalb gehen Forscher heutzutage davon aus, dass hier mehrere Faktoren zusammenspielen, wie zum Beispiel eine besonders hohe Sensibilität oder Probleme bei der Selbstregulation des Babys.

Extremes Schreien bei Babys: Könnten Koliken der Grund sein?

Manche Babys leiden in den ersten Lebensmonaten unter einer Dreimonatskolik

Babys sind nicht in der Lage zu sagen, wenn sie etwas stört. Die einzige Art, wie sie auf sich aufmerksam machen können: Schreien. Sie weinen, wenn sie Hunger haben, die Windel voll ist, sie frieren oder die körperliche Nähe ihrer Eltern vermissen. Verhaltensforscher haben herausgefunden, dass Babys vor allem in den ersten Lebenswochen bis zu zwei Stunden am Tag schreien.1

Aber natürlich ist nicht jedes Neugeborene gleich. Außerdem durchlebt der Säugling verschiedene Phasen, in denen er mal mehr und mal weniger weint. Eine genaue Definition ist hier schwierig, jedoch wird eine Kolik vermutet, wenn das Baby länger als drei Wochen an mindestens drei Tagen pro Woche mehr als drei Stunden täglich schreit.2 Ist das der Fall, sprechen Experten auch von einem Schreibaby, daher werden die beiden Begriffe Kolik und Schreibaby oft im selben Zusammenhang verwendet. In der Regel treten die Koliken ab der zweiten Lebenswoche auf und sind nach dem dritten Lebensmonat wieder vorbei – deshalb der Name Dreimonatskoliken.3

Dreimonatskoliken durch Verdauungsstörungen

Zum Teil wird das ständige Schreien bei einer Kolik auf Magen-Darm-Beschwerden zurückgeführt. Zu diesen gehören

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Verdauung und Schmerzsensitivität als Auslöser der Koliken bei Babys

Die Verdauungsorgane nehmen ihre Arbeit erst nach der Geburt auf. Anfangs kann es bei der Verdauung deshalb einige Probleme geben, die eine Kolik begünstigen. Hinzu kommt, dass der Verdauungsvorgang selbst für das Baby ungewohnt ist und je nach Sensitivität vielleicht ein gewisses Schmerzempfinden auslöst. Zudem führt das enorme Wachstum in den ersten Monaten bei manchen Neugeborenen zu Schmerzen.

Dreimonatskoliken – welche Rolle spielt Stress?

Wenn das Baby das Licht der Welt erblickt, wird es von Reizen förmlich überflutet. Die meisten Säuglinge verarbeiten das, indem sie viel schlafen. Manche sind jedoch so überreizt, dass sie trotz Müdigkeit nicht zur Ruhe kommen und anfangen zu schreien.

Auch die Eltern-Kind-Beziehung kann einen Stressfaktor darstellen, der Dreimonatskoliken verursacht. Besonders beim ersten Kind fühlen sich Eltern schnell verunsichert. Sie erhalten Ratschläge von allen Seiten, die manchmal sogar widersprüchlich sind. Diese Nervosität überträgt sich auf das Neugeborene. Weint es dann, beginnt häufig ein Teufelskreis – denn durch das viele Schreien entstehen noch mehr Unruhe und Unsicherheit. Gleichzeitig gelangt beim Weinen mehr Luft in den Bauch, was wiederrum Blähungen zur Folge haben kann.

Welche Hausmittel können gegen Koliken beim Baby helfen?

Folgende Hausmittel können bei Säuglingskoliken, die durch Verdauungsbeschwerden ausgelöst werden, für Linderung sorgen:

  • Vorgewärmtes Kirschkernkissen: Legen Sie Ihrem Sprössling ein warmes Kirschkernkissen auf den Bauch. Achten Sie dabei unbedingt darauf, dass Sie dieses zuvor in etwas Stoff (zum Beispiel ein Handtuch) wickeln, um direkten Hautkontakt zu meiden.
  • Kräutertees: Das Trinken von Tees aus Fenchel, Kümmel oder Anis hat eine entspannende Wirkung auf die Verdauung und trägt allgemein zum Wohlbefinden des Babys bei.
  • Verzicht auf blähende Lebensmittel: Wenn Sie als Mutter stillen und Ihr Baby unter Verdauungsproblemen leidet, kann es sinnvoll sein, Nahrung mit blähender Wirkung (zum Beispiel Bohnen oder Kohl) wegzulassen.

Beginnt das Baby vor allem nach den Mahlzeiten zu schreien, spricht vieles dafür, dass die Verdauung eine Rolle spielt. In diesem Fall sollten Eltern besonders darauf achten, dass der Säugling ein Bäuerchen macht, um Blähungen zu vermeiden.

Der Fliegergriff

Viele Eltern haben gute Erfahrungen damit gemacht, das Kind während einer Kolik im Fliegergriff umherzutragen. Dabei liegt das Baby mit dem Bauch auf dem Unterarm der Mutter oder des Vaters. Der Kopf ruht leicht erhöht in der Beuge des Arms. Der sanfte Druck auf den Bauch wirkt unterstützend auf das Lösen von mögliche Blähungen. Gleichzeitig hat die körperliche Nähe in der Regel einen beruhigenden Effekt. Der Fliegergriff kann das Baby entspannen und gegen Dreimonatskoliken helfen.

Tipps für mehr Ruhe bei Säuglingskoliken

Durch einige Verhaltensänderungen können Sie Ihr Baby besänftigen:

  • Eine ruhige Umgebung und eine feste Routine sorgen dafür, dass sich der Säugling leichter zurecht findet.
  • Erhalten Sie viele Tipps zum Umgang mit Koliken bei Babys, probieren Sie nicht ständig etwas Neues aus.
  • Wählen Sie ein Ritual (zum Beispiel eine Bauchmassage), das zu Ihrem Tagesrhythmus passt und geben Sie dem Baby ausreichend Zeit zur Gewöhnung.
  • Gut bewährt haben sich lange Spaziergänge mit dem Kinderwagen an der frischen Luft. Sie fördern den Schlaf und damit den Stressabbau, sowohl beim Kind als auch bei den Eltern.

Wenn Sie die genannten Tipps in Ihrem Alltag umsetzen, kann das positive Auswirkungen auf Ihr Baby und Sie selbst haben.

Säuglingskoliken: Was tun, wenn das Schreien kein Ende nimmt?

Weint das Baby ständig, sollten Sie in jedem Fall zu einem Kinderarzt gehen. Dieser stellt durch verschiedene Untersuchungen fest, ob eine Krankheit hinter den Schreiattacken steckt oder ob es sich tatsächlich um Dreimonatskoliken handelt. Eltern von Babys mit Koliken müssen diese schwierige Phase zudem nicht allein durchstehen. Es gibt zahlreiche Beratungsstellen und Elterninitiativen. Außerdem sind sicherlich auch Verwandte und Freunde gern bereit, Ihnen zu helfen, sodass Sie einmal ausschlafen und auftanken können. Die gute Nachricht ist: Nach dem dritten Monat sind die Säuglingskoliken meist wieder vorbei.

Peggy Richter
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