Warum ist der Stuhlgang schwarz (Teerstuhl)?


Dunkler Stuhlgang alleine ist noch kein Grund zur Sorge. Für die Farbe des Stuhlgangs gibt es viDunkler Stuhlgang alleine ist noch kein Grund zur Sorge. Es gibt einige Faktoren, die sich für schwarz verfärbten Stuhl verantwortlich zeigen und den richtigen Teerstuhl vortäuschen können, wie:

  • farbreiche Lebensmittel, beispielsweise Rote Beete, Blau- und Brombeeren, schwarze Kirschen, viel rotes Fleisch, Blutwurst, Lakritz, Rotkohl oder Rotwein
  • Medikamente, die Eisen oder Kohle enthalten, sowie Präparate mit Wismut (Metall)

Hingegen gilt die Wahrscheinlichkeit als sehr klein, dass die Einnahme von Antibiotika – stark zeitverzögert – als Nebenwirkung Blut im Stuhl auslöst.1

Sind etwa Lebensmittel der Grund für die Stuhlverfärbung, ist dies kein Grund zur Sorge. Nach einigen Tagen normalisiert sich die Stuhlfarbe von alleine wieder.

Aha!
Zu viel Rote Beete verputzt oder ist da doch Blut im Stuhl? Gibt man Wasser zur Ausscheidung, nimmt dieses eine rote Farbe an, wenn es sich um Teerstuhl handelt – ansonsten nicht.

Wann Mediziner von Teerstuhl sprechen


Anders sieht es hingegen aus, wenn der Stuhl richtig schwarz und glänzend aussieht und abnormal riecht. In diesem Fall liegt Teerstuhl (Meläna) vor. Dieser tritt nur auf, wenn eine größere Blutung über 50 Milliliter vorliegt, das Blut länger als 8 Stunden im Darm war, und die Darmflora auf das Hämoglobin (roter Blutfarbstoff) Einfluss genommen hat.3

Wichtig
Erst wenn der Stuhlgang
• nicht dunkelbraun, sondern pechschwarz ist,
• glänzt,
• klebrig ist
• und extrem faulig riecht
handelt es sich um Teerstuhl. Er ist immer als Alarmzeichen einzustufen.4 Betroffene sollten daher umgehend einen Gastroenterologen aufsuchen, der auf den Verdauungstrakt spezialisiert ist. Er erstellt eine fachkundige Diagnose und leitet eine zielgerichte Behandlung ein.

Wann ist bei schwarzem Stuhlgang der Weg zum Arzt notwendig?


Ist der Verzehr von färbenden Lebensmitteln oder Medikamenten eindeutig als Ursache für den Teerstuhl auszuschließen, ist es an der Zeit, dass sich ein Arzt der Ursachensuche annimmt. Insbesondere wenn weitere Symptome, wie Übelkeit, Bauchschmerzen oder Erbrechen hinzukommen,  sollten Sie mit dem Gang zum Arzt auf keinen Fall zögern. Starke Blutverluste müssen akut behandelt werden. Anzeichen dafür sind:

  • Kopfschmerzen,
  • Schwindel,
  • blasse Haut,
  • sowie Herzklopfen und Ohrensausen.

Nachdem die Blutung gestillt wurde, kann der Arzt die Ursache für das Blut im Stuhl herausfinden.

Aufgepasst!

Bisher ging es darum, wann der Gang zum Arzt fällig ist, wenn der Stuhlgang eine schwarze Farbe aufweist. Doch Blut im Stuhl, egal ob hell oder dunkel, sollte einen aufhorchen lassen. Der Körper sendet uns Warnzeichen – Blut im Stuhl gehört dazu – die ein Arzt abklären sollte, denn: Es können sowohl harmlose, als auch schwerwiegende Erkrankungen dahinterstecken.

Teerstuhl – das läuft im Körper ab


Die Schwarzfärbung entsteht, weil bei Blutungen oberhalb des Dünndarms (also im Magen oder der Speiseröhre) das Blut mit Magensäure in Kontakt kommt. Der rote Blutfarbstoff (Hämoglobin) wird durch Magensäure oder Bakterien zersetzt und erhält dadurch die schwarze Farbe und eine Konsistenz, die an Kaffeesatz erinnert.

Grundsätzlich lässt sich folgender Merksatz aufstellen: Je höher die Blutungsquelle, desto dunkler ist der Stuhl.5 Vom Farbton des Stuhlgangs lässt sich also der Ort der Blutung ableiten:

Scroll Table
Farbe des StuhlgangsBlutung im …
hellrotEnddarm
rotbraun bis dunkelrotoberen Dickdarm
rotbraun marmoriertunteren Dickdarm
schwarzoberen Magen-Darm-Trakt4

Wird der Darminhalt sehr langsam vorwärtsbewegt, zum Beispiel durch Fehlernährung oder eine Stoffwechselstörung, kann schwarzer Stuhlgang in Ausnahmefällen auch auftreten, wenn die Quelle der Blutung im unteren Darmbereich liegt.

Ursachen von Teerstuhl


Schwarzer Stuhl deutet häufig auf Magen-Darm-Blutungen (gastrointestinale Blutungen) im oberen Verdauungstrakt hin, und ist ein ernstzunehmendes Warnsignal.

Bei folgenden Krankheiten ist schwarzer Stuhlgang ein Symptom und zugleich wichtiger Hinweis:

  • Geschwüre im Magen und Zwölffingerdarm
    Bei Geschwüren handelt es sich um Wunden in der Schleimhaut des Verdauungstrakts. Sie können durch Besiedelung mit Bakterien verursacht werden. Aber auch schlechte Essgewohnheiten und psychische Belastungssituationen bewirken die Bildung von Geschwüren, weil dadurch die Magensaftproduktion erhöht wird. Grundsätzlich kann jeder Mensch Geschwüre bekommen. Während Magengeschwüre jedoch häufiger bei älteren Personen auftreten, wird ein Zwölffingerdarmgeschwür eher bei jüngeren Menschen diagnostiziert. An einem Zwölffingerdarmgeschwür leiden Männer dreimal so häufig wie Frauen, Magengeschwüre betreffen die Geschlechter gleichermaßen.6 Im fortgeschrittenen Stadium können die Geschwüre bluten; vermischt mit dem verdauten, dunklen Blut erscheint der Stuhlgang schwarz.
  • Entzündungen der Magenschleimhaut oder der Speiseröhre
    Dauert eine Entzündung der Magenschleimhaut oder Speiseröhre länger an, bluten die gereizten Stellen häufig. Die Folge ist Schwarzer Stuhl. Bei Entzündungen der Magenschleimhaut klagen Betroffene zusätzlich vor allem über starke Druckschmerzen im Oberbauch, Appetitlosigkeit oder dunkel-wässrigen Durchfall. Bei einer entzündeten Speiseröhre treten ausgeprägte Schmerzen beim Schlucken auf. Des Weiteren können Sodbrennen und saures Aufstoßen hinzukommen.
  • Mallory-Weiss-Syndrom
    Durch heftiges Erbrechen steigt der Druck innerhalb der Speiseröhre plötzlich an. Dadurch kann die Schleimhaut der Speiseröhre aufreißen und starke Blutungen hervorrufen. Diese Erkrankung tritt vor allem bei Menschen auf, deren Speiseröhre chronisch gereizt ist, also zum Beispiel bei Alkoholikern oder Bulimie-Erkrankten.
  • Krampfadern im oberen Verdauungstrakt
    Krampfadern im Magen oder in der Speiseröhre sind manchmal ebenfalls für Teerstuhl verantwortlich. Die dünnhäutigen Venen sind nur durch die Schleimhaut geschützt und reißen sehr leicht. Dadurch können sie zu bluten anfangen. Lebensgefährlich wird es, wenn Krampfadern platzen: Meist äußert sich das dadurch, dass Betroffene Blut erbrechen. Dann muss sofort der Notarzt verständigt werden.
  • Magenkrebs
    Schwarzer Stuhlgang ist darüber hinaus ein Alarmsymptom für Magenkrebs, da hier Blutungen im Magen bestehen. Auch, wenn die Erkrankungsrate in den letzten drei Jahrzehnten deutlich abgenommen hat7, ist sie nicht weniger ernstzunehmen: Da die Symptome erst im fortgeschrittenen Krankheitsstadium auftreten, wird Magenkrebs häufig relativ spät diagnostiziert.

Haben Sie womöglich damit gerechnet, auch Hämorrhoiden (erweiterte Gefäßpolster im Analkanal) bei der Aufzählung der möglichen Ursachen für Teerstuhl zu finden? Tatsächlich ist dafür der Blutabgang während oder nach dem Stuhlgang ein gängiges Symptom. Doch es tritt niemals Teerstuhl auf.2

Als Risikofaktor für eine obere gastrointestinale (Magen und Darm betreffende) Blutung und infolgedessen für Teerstuhl gilt ein exzessiver Alkoholkonsum, denn: Die Magenschleimhautbarriere wird durch den Alkohol angegriffen, Entzündungsprozesse angestoßen und Einblutungen hervorgerufen. Die Läsionen (Verletzungen) finden sich überwiegend im Magenkörper (Hauptteil des Magens) und/oder –fundus (kuppelförmige Wölbung am Mageneingang), aber auch ohne scharfe Begrenzung im gesamten Magen.8

Diagnose: Das macht der Facharzt


Nach einem ausführlichen Gespräch mit dem Arzt (Anamnese), im Rahmen dessen er die Krankheitsgeschichte, Essgewohnheiten sowie eventuelle Medikamenteneinnahme des Patienten in Erfahrung bringt, folgt eine Untersuchung des Stuhls. Lassen sich Lebensmittel und Arzneimittel als Ursache ausschließen und die Stuhlprobe enthält Blut, gilt es abzuklären, woher die Beschwerden kommen. Dazu stehen dem Arzt verschiedene Diagnosemethoden zur Verfügung, wie eine Magenspiegelung (Gastroskopie). Bei dieser Untersuchung führt der Arzt einen dünnen Schlauch, an dessen Ende sich eine kleine Videokamera befindet, über den Mund in die Speiseröhre des Patienten ein. Dank der Aufnahmen kann der Facharzt die Ursache der Blutungen ausfindig machen und unter Umständen bereits Gewebeproben entnehmen, kleine Geschwüre abtragen und Blutungen stillen.

Behandlungsmöglichkeiten bei Teerstuhl


Die Therapie richtet sich nach der Grundkrankheit: Beispielsweise sollten bei Magengeschwüren die Betroffenen auf magenreizende Stoffe wie Kaffee, Alkohol und Nikotin verzichten. Ob Medikamente, die die Magenschleimhaut schädigen, abgesetzt werden können, gilt es im Einzelfall immer mit dem behandelnden Arzt abzuklären. Er ist es auch, der den Patienten unter anderem zur Einnahme von Protonenpumpenhemmern (Säurehemmer) und anderen Medikamenten berät. Sollte sich bei der Diagnose herauskristallisiert haben, dass das Magengeschwür von einer Besiedelung mit dem Bakterium Helicobacter pylori herrührt, kommt Antibiotika zum Einsatz.

akuten Form der Magenschleimhautentzündung (Gastritis) gibt es nicht-medikamentöse Ansätze: beispielsweise magenschonende Kost und – falls diese zur Linderung der Beschwerden nicht ausreichen – medikamentöse Maßnahmen. Zu letzteren gehören Arzneimittel, die die Magensäure neutralisieren sowie solche, die die Produktion der Magensäure drosseln.

Bei einer Krebserkrankung des Magens ist für die Wahl der Therapie mit entscheidend, in welchem Stadium sich der Tumor befindet. Davon abhängig ist unter Umständen eine endoskopische Entfernung von kleinen Tumoren möglich. Dabei wird ein Endoskop (biegsamer Schlauch mit Kamera) über die Speiseröhre in den Magen eingeführt, die Bauchdecke muss dabei nicht geöffnet werden. Ist der Tumor bereits fortgeschritten – ohne gestreut zu haben – versuchen die Ärzte, diesen operativ zu entfernen. Möglicherweise raten die Mediziner zusätzlich zu einer Chemotherapie.9 An dieser Stelle noch einmal die Bitte: Schieben Sie den Arztbesuch bei Beschwerden (beispielsweise länger andauernde Schmerzen im Oberbauch oder ungewollter Gewichtsverlust) nicht auf die lange Bank. Wird Magenkrebs in einem frühen Stadium der Erkrankung diagnostiziert, können Fachärzte diesen häufig gut therapieren.10

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Julia Lindert Die Ressortjournalistin Julia Lindert spezialisierte sich während ihres Studiums auf die Themenfelder Medizin und Biowissenschaften. Medizinische Sachverhalte in verständlicher Sprache zu formulieren, ist das, was sie an ihrer Arbeit besonders mag. Ihr Credo in Bezug auf Krankheitsbilder und Therapiemöglichkeiten: Nichts beschönigen, aber auch keine unnötigen Ängste schüren. Julia Lindert Medizinredakteurin kanyo® mehr erfahren
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