Pfefferminze: Multitalent in Sachen Verdauungsregelung

24. Mai 2019
8 Min.

Aus Hausapotheken ist die Heilpflanze vor allem aufgrund ihres hohen Menthol-Gehalts nicht mehr wegzudenken. Menthol hat beispielsweise die Eigenschaft, Schmerzrezeptoren der Magenschleimhaut zu blockieren, weshalb die wohlriechende Pflanze schmerzlösend bei krampfartigen Magenschmerzen wirkt. Pfefferminze wirkt außerdem beruhigend bei Übelkeit und Brechreiz, reduziert Blähungen und kann Bauchschmerzen vorbeugen. Lesen Sie hier, wie Sie die vielseitige Minze am besten einsetzen.


Auf einen Blick – Wissenswertes zur Pfefferminze

  • Heilkraft: wohltuend bei Magen-Darm-Beschwerden, lindert Übelkeit, Koliken, Bauchschmerzen, Blähungen, aber auch Spannungskopfschmerzen
  • Inhaltsstoffe: ätherisches Öl, Flavonoide (Pflanzenfarbstoffe), phenolische Säuren, Triterpene (Pflanzenstoffe)
  • Anwendung: frische oder getrocknete Blätter, ätherisches Öl, Flüssigextrakt, Tinktur oder als Tee zubereitet
  • Botanik: gehört zur Familie der Lippenblütler; Aussaat im Frühjahr; Ernte an einem trockenen Tag kurz vor der Blüte; bildet keine Samen aus, vermehrt sich daher nur über ihre Ausläufer

Welche Heilkraft steckt in der Pfefferminze (Mentha x piperita)?

Pfefferminzblätter in Großaufnahme; Die Heilpflanze gilt als beliebtes Hausmittel gegen Magenbeschwerden.

Arzneilich verwendbar sind die oberirdischen Teile sowie das aus den Sprossteilen durch Wasserdampfdestillation gewonnene ätherische Öl. Denn darin stecken Wirkstoffe, die bei Verdauungsproblemen Linderung verschaffen können. Besonders hervorzuheben ist die krampflösende und schmerzstillende Wirkung des Öls im Magen-Darmtrakt bei innerer Anwendung. Der Pfefferminze werden aber noch viele weitere Eigenschaften zugeschrieben, die deren Anklang in der Medizin begründen:

  • galletreibend, was unter anderem die Verdauung von Fetten erleichtert
  • blähungstreibend
  • beruhigend, auch auf Schleimhäute und angespannte Darmmuskeln bei Durchfall und Reizdarm
  • antiseptisch (keimhemmend), und somit hilfreich bei Erkältungskrankheiten
  • juckreizstillend bei Nesselausschlag oder Insektenstichen
  • schweißtreibend und entgiftend
  • konzentrationsfördernd, beispielsweise in Form von ätherischem Öl in Duftlampen

Meist wird die Heilpflanze zur symptomatischen Behandlung von Beschwerden im Magen-Darm-Trakt sowie im Bereich der Gallenblase und -wege angewendet, obgleich das Einsatzgebiet weitaus vielfältiger ist. Beispielsweise lassen sich rheumatische Beschwerden, Nerven-, Kopf- sowie Muskelschmerzen und Erkältungskrankheiten mildern, wenn die betroffenen Hautstellen mit Pfefferminzöl – das einen Kältereiz auslöst – massiert werden. Die Heilpflanze fungiert somit als natürliches Schmerzmittel. Doch Achtung: Um die Haut vor Reizungen zu schützen, sollte ätherisches Öl bei einer Massage nie pur, sondern verdünnt auf den Körper aufgetragen werden. Als sogenanntes Trägeröl bietet sich beispielsweise Mandel- oder Weizenkeimöl an. Dazu 5 bis 10 Tröpfen ätherisches Öl mit einem Esslöffel Trägeröl mischen.1

Gut zu wissen: Das stark reizende Pfefferminzöl nicht direkt auf die Schleimhäute, verletzte Haut oder gar im unmittelbaren Bereich der Augen auftragen!

Wie wird die Pfefferminze angewendet?

Im arzneilichen Bereich gibt es die Pfefferminze in verschiedenen Darreichungsformen, beispielsweise als

  • dünndarmlösliche Kapseln mit ätherischem Öl (bei Reizdarm),
  • Flüssigextrakt,
  • Tinktur,
  • Abkochungen (für Kompressen),
  • Pfefferminzöl und
  • Tee (mit frischen oder getrockneten Blättern).

Allen voran sind es Teezubereitungen, die bei Problemen des Magen-Darm-Trakts als probates Hausmittel zur Anwendung kommen. Das im Tee enthaltene Menthol regt die Produktion von Magensäure an. Von diesem Effekt profitiert beispielsweise ein Magen, der nach einem üppigen Essen träge ist. Allerdings kann dauerhafter Pfefferminztee-Konsum aufgrund des hohen Anteils an Menthol zu Magenschmerzen als Nebenwirkung führen. Selbiges gilt für Pfefferminzöl, das oral generell nur unter ärztlicher Aufsicht eingenommen werden darf.

Zubereitung von Pfefferminztees

Bei Verdauungsbeschwerden wie Blähungen, Aufstoßen sowie zur Anregung von Leber und Galle:

Überbrühen Sie 1 Esslöffel Pfefferminzblätter mit 200 Milliliter kochendem Wasser. Nachdem der Tee 10 bis 15 Minuten gezogen hat, können Sie ihn abseihen. Trinken Sie nach den Mahlzeiten 1 Tasse.2 Selbstverständlich können Sie auch auf Pfefferminztee zurückgreifen, der in Beuteln angeboten wird. Häufig jedoch sind die darin enthaltenen Blätter stark zerkleinert, wodurch ein Großteil des verdauungsfördernden ätherischen Öls verlorengeht.

Gegen Reiseübelkeit:

Die nächste Geschäfts- oder Urlaubsreise steht kurz bevor, aber Sie leiden unter Reiseübelkeit? Übergießen Sie je 1 Teelöffel Ingwerwurzeln, Rosmarin-, Melissen- und natürlich Pfefferminzblätter mit 1 Liter heißem Wasser. Die Ziehzeit beträgt 7 Minuten. Nachdem Sie den Tee abgegossen haben, 1 bis 2 Tassen vor Fahrtantritt trinken, den Rest während der Fahrt genießen.3

Pfefferminze und Kulinarik

Viele möchten die Minze mit ihrem leicht pfeffrigen Geschmack auch auf dem Speiseplan nicht missen. Vor allem in der orientalischen Küche findet man die Heilpflanze in Lamm- und Geflügelgerichten sowie in Kombination mit Bulgur, Couscous oder Hülsenfrüchten. Doch auch kleine Schleckermäuler von süßen Speisen können die Pfefferminze vielseitig einsetzen, beispielsweise in Cremes, Kuchen oder Sorbets.

Zu viel geschlemmt und Bauchschmerzen? Wie wäre es mit einem Minzlikör, der die Verdauung in Schwung bringt?

Für den selbstgemachten Likör mischen Sie 3 bis 4 frische oder 2 bis 3 getrocknete Pfefferminz- und Melissenblätter, ½ Zimtstange, 1 Teelöffel zerdrückte Fenchelsamen, 1 Esslöffel Schafgarbenblüten und 80 Gramm Kandiszucker mit einem 3/4 Liter Korn (32 Prozent). Ein bisschen Geduld bis zur ersten Kostprobe ist gefragt: Das Ganze benötigt zwei Monate Ziehzeit, bevor Sie die festen Bestandteile abseihen.3

Wer auf Pfefferminze verzichten sollte

Generell nicht geeignet ist Pfefferminze für Kinder unter 5 Jahren.3 Säuglinge und kleine Kinder dürfen diese nicht zu sich nehmen, denn: Menthol kann Krämpfe im Bereich des Kehlkopfes verursachen. Der Gebrauch ist auch für Patienten ausgeschlossen, die unter einer Blockade der Gallenwege (Gallenobstruktion), Gallenblasenentzündungen oder schweren Leberschäden leiden. Träger von Gallensteinen sollten vor der Anwendung ihren behandlenden Arzt fragen.

Was die Anwendung in der Schwangerschaft betrifft, gehen die Meinungen stark auseinander, klinische Studien zu Verträglichkeit fehlen. Allerdings steht der Verdacht im Raum, Pfefferminze könne in der Frühschwangerschaft Fehlgeburten auslösen. Daher sollten sich werdende Mamas vor dem Genuss von Pfefferminze das OK eines Mediziners einholen.

Wissenswertes zur Heilpflanze: Botanik, Ernte und Aufbereitung

Die zur Familie der Lippenblütler gehörende Pflanze erreicht eine Höhe von bis zu 80 Zentimetern.4 Sie erkennen die Pfefferminze an ihren gestielten und gezackten Blättern. Sie bildet auch Blüten aus, in den Farben violett, weiß und rosa. Lichter Halbschatten sowie feuchte Böden sind der Pfefferminze am liebsten. Nachdem die Aussaat im Frühling erfolgt ist, findet die Ernte Ende Mai bis Ende Juli statt, also kurz bevor die Pflanzen zu blühen beginnen.

Zwar ist nicht genau geklärt, wo die krampflösende Heilpflanze ihren Ursprung hat. Sicher ist aber, dass die Menschen deren Wirkung schon sehr lange zu schätzen wissen: In Pyramiden in Ägypten fanden Archäologen getrocknete Blätter, deren Alter auf etwa 1000 vor Christus geschätzt wird.5 Heute gibt es weltweit in Kulturen verbreitet mehr als 25 Minzearten und geschätzt circa 600 Sorten.3 Verwandt mit der Mentha x piperita ist die Bachminze (M. aquatica) sowie die Ährenminze (M. spicata). Auch, wenn sich deren zugeschriebene Eigenschaften ähneln, ist deren therapeutische Wirkung etwas schwächer.

Julia Lindert
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Medizinredakteurin