Vergrößerte Hämorrhoiden mittels OP entfernen

8. Januar 2019
8 Min.

Klein oder groß, mit oder ohne starke Symptome – bei der Form der Behandlung kommt es ganz auf die Hämorrhoide an. Je nach Schweregrad wird entschieden, welches Verfahren sich am besten eignet. In einigen Fällen lässt sich bei Hämorrhoiden-Beschwerden eine OP allerdings nicht mehr umgehen. Wann ist diese angeraten? Und welche Methoden gibt es?

Wann ist ein operativer Eingriff notwendig?

Eine OP ist eine mögliche Maßnahme gegen Hämorrhoiden.

Nässen, Juckreiz, Brennen: Bereits eine geringe Vergrößerung der Hämorrhoiden kann zu verschiedenen Symptomen führen. Die Beschwerden nehmen mit steigendem Schweregrad des Hämorrhoidalleidens zu – und hieran orientiert sich auch die Behandlungsmethode. Eine konservative Therapie mit zum Beispiel Salben oder Zäpfchen kommt vorrangig bei Hämorrhoiden 1. Grades (die Gefäßpolster sind nur leicht geschwollen) und 2. Grades (Gefäßpolster treten beispielsweise bei der Stuhlentleerung nach außen, gleiten aber wieder in den Körper zurück) zum Einsatz. Ziel ist es, die Beschwerden zu verringern und so eine Rückbildung der Hämorrhoide zu erreichen.

Operative Eingriffe bei Hämorrhoiden Grad 1 und 2


Sollte es im Anfangsstadium des Hämorrhoidalleidens dennoch zu einem Eingriff kommen, erfolgt überwiegend die sogenannte Sklerosierungstherapie. Hierbei wird mittels Injektion einer entsprechenden Substanz eine Verödung der Hämorrhoiden erreicht. Das Gewebe stirbt ab, wird kleiner und kann sich wieder in den After zurückziehen.

Eine Alternative stellt die Gummibandligatur dar. Bei dieser Methode schnürt der Arzt das Gefäßpolsters mit einem Gummiband ein – nach einigen Tagen stößt der Körper das Gewebe ab. Das Verfahren kann in einigen Fällen auch bei Hämorrhoiden Grad 3 zum Einsatz kommen.

Eine OP wird bei vergrößerten Hämorrhoiden meist dann empfohlen, wenn

  • die konservative Therapie keinen Erfolg bringt,
  • starke oder wiederkehrende Blutungen auftreten und/oder
  • Hämorrhoiden 3. Grades (gleiten nicht von selbst zurück, müssen aktiv zurückgeführt werden) oder 4. Grades (ein Zurückdrücken in den After ist nicht mehr möglich) vorliegen.

Sollte es zum operativen Eingriff kommen, stehen dem Chirurgen verschiedene Methoden zur Verfügung. Generell wird dabei zwischen liftenden (reponierenden) und entfernenden (resezierenden) Eingriffen unterschieden. Letztere werden auch als Hämorrhoidektomie bezeichnet.

Hämorrhoiden-OPs: Liftende Methoden im Überblick

Zu den liftenden Methoden einer Hämorrhoiden-OP zählt unter anderem die Stapler-Hämorrhoidopexie nach Longo. Mit einem speziellen Klammergerät wird das überschüssige Gewebepolster nach oben „gerafft“ und anschließend vernäht. Die Klammerreihe sorgt dafür, dass die Blutzufuhr zu den Hämorrhoiden unterbrochen wird – und das Gefäßpolster schrumpft. Die OP erfolgt in der Regel in Narkose; in einigen Fällen ist eine Lokalanästhesie möglich. Da der empfindliche innere Afterkanal geschont wird, verläuft der Heilungsprozess meist ohne Beschwerden.

Eine andere Möglichkeit ist die Rekto-Anale-Pexie (RAR = engl. Rekto-Anal-Repair), die als nahezu schmerzlos gilt. Bei dieser Hämorrhoiden-OP erfasst ein spezielles Gerät das vorfallende Gewebe. Es folgt eine Straffung der Schleimhaut, wodurch das Gewebe aus dem Anus nach innen und oben gezogen wird („Lifting-Effekt“). Da hier kein Klammergerät zum Einsatz kommt, entstehen bei der Rekto-Anale-Pexie keine offenen Wunden oder damit einhergehende Blutungen. Lediglich ein leichtes Ziehen kann nach der Operation auftreten.

Schon gewusst? Ein relativ neues, aber ebenfalls schonendes Behandlungsverfahren ist die Laserhämorrhoidoplastie LHP®. Mit dessen Hilfe werden Hämorrhoiden zweiten bis vierten Grades verödet. Die Laserfaser bestrahlen das Gewebe von innen und lassen es so schrumpfen. Der Vorteil: Die Methode ist schmerzarm und hinterlässt keine großflächigen Wunden, da weder Einschnitte noch Nähte nötig sind.

Die verschiedenen Verfahren der Hämorrhoidektomie

Bei andauernden Beschwerden oder Hämorrhoiden 3. beziehungsweise 4. Grades ist eine operative Entfernung meist unumgänglich. Hierfür stehen verschiedene Verfahren zur Auswahl.

Milligan-Morgan und Ferguson

Die am häufigsten angewandte OP-Methode bei Hämorrhoiden 3. oder 4. Grades ist die nach Milligan-Morgan. Mithilfe einer Klemme zieht der Chirurg die Hämorrhoiden einzeln nach außen. Bevor das Gefäßpolster abgetragen wird, muss sichergestellt sein, dass es vom Schließmuskel (Sphinkter) getrennt ist. Im Anschluss bleibt die Operationswunde offen – daher auch der Name „offene Hämorrhoidektomie“.

Als Erweiterung dieses Verfahrens gilt die Methode nach Ferguson. Dabei handelt es sich um eine geschlossene Hämorrhoidektomie, bei der – wie der Name bereits verrät – die Wunde im Anschluss an den Eingriff verschlossen wird. Der Vorteil liegt in den schneller abklingenden Wundschmerzen. Dem steht jedoch das Risiko einer vernarbten Afterenge gegenüber.

Parks

Bei ausgedehnten Hämorrhoiden vierten Grades kommt vorrangig die OP-Methode nach Parks (submuköse Hämorrhoidektomie) zum Einsatz. In der Analschleimhaut erfolgt die Schnittführung in Form eines „Y“. Nach Freilegung der Gefäßpolsters werden diese unter der Schleimhaut entfernt – daher auch der Name submukös, was „unterhalb der Schleimhaut“ bedeutet. Der Chirurg unterbindet zuführende Gefäße und vernäht die Wunde im Anschluss T-förmig. Das Verfahren nach Parks gilt als gering schmerzhaft und weist eine schnelle Wundheilung auf.

Fansler-Arnold

Ein weiteres Verfahren ist das nach Fansler-Arnold, das bei Hämorrhoiden vierten Grades mit erheblichen Beschwerden Anwendung findet. Der zeitlich aufwendige Eingriff hat einen plastischen Charakter, weshalb er auch als rekonstruktive Hämorrhoidektomie bezeichnet wird. Während der Operation wird ein U-förmiger Einschnitt vorgenommen, wobei ein Hautlappen entsteht, den man nach außen klappt. Der behandelnde Arzt entfernt die Hämorrhoiden sowie zuführende Blutgefäße, klappt die Hautlappen zurück und verschließt die Wunde anschließend. Die Schmerzen nach der OP gelten als gering und die Wundheilung verläuft schnell.

Behandlung in Absprache mit dem Arzt wählen

Im Rahmen von operativen Verfahren sind Komplikationen nicht auszuschließen, beispielsweise kann es zu (Nach-)Blutungen oder Infektionen kommen, aber auch Stuhlinkontinenz ist möglich, wenn der Sphinkter verletzt wurde. Daher wird in der Regel versucht, auf minimal-invasive Behandlungen zurückzugreifen – sprich solche, die ein möglichst geringes Verletzungsrisiko für Haut und Weichteile aufweisen. Welche Methode sich eignet, wird zusammen mit dem Arzt besprochen und erfolgt in Abhängigkeit des Hämorrhoiden-Grades, vorliegender Beschwerden und persönlicher Präferenzen des Patienten.

Tipps, um den Heilungsprozess zu unterstützen:

Egal welches Verfahren letztlich Anwendung findet, im Anschluss an die Hämorrhoiden-OP sollten Patienten auf eine gründliche und sanfte Hygiene achten. Nach jedem Stuhlgang empfiehlt sich die Reinigung mit lauwarmem Wasser. Um den Stuhlgang zu erleichtern, ist auf eine ballaststoffreiche Ernährung sowie ausreichend Flüssigkeit zu setzen. Auf Abführmittel verzichten Betroffene besser; ein allzu weicher Stuhl kann die Wunde verunreinigen.

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Tanja Albert
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Medizinredakteurin