Die Histaminintoleranz – eine seltene Unverträglichkeit

3. Dezember 2018

Die Histaminintoleranz oder Histamin-Unverträglichkeit beschreibt im Allgemeinen ein fehlendes Gleichgewicht zwischen der Aufnahme, der Produktion und dem Abbau von Histamin im Körper. Ob dabei die zu häufige Aufnahme von histaminhaltigen Lebensmitteln oder die verminderte Fähigkeit des Körpers, Histamin abzubauen, eine größere Rolle spielt, wird von Ärzten diskutiert. Im Zusammenhang mit der Histaminintoleranz sind beispielsweise Symptome im Magen-Darm-Bereich, auf der Haut, im Nerven- oder dem Herzkreislaufsystem bekannt, die jedoch bei nur etwa einem Prozent der gesamteuropäischen Bevölkerung auftreten.1 Die Histamin-Unverträglichkeit ist damit ein relativ seltenes Krankheitsbild.

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Was ist Histamin und woher kommt die Unverträglichkeit?

Viele Menschen mit Histamintoleranz vertragen keinen Hartkäse.

Histamin ist ein natürlicher Botenstoff und ein Hormon, das einerseits vom menschlichen Körper selbst gebildet wird (zum Beispiel zur Signalübertragung zwischen den Zellen) und andererseits auch in unterschiedlichen Nahrungsmitteln vorkommt. Es gehört zu den sogenannten biogenen Aminen, die Abbaustoffe von Eiweißbestandteilen (Aminosäuren) sind.

Im menschlichen Organismus ist das Hormon an einer Reihe unterschiedlicher Körperfunktionen beteiligt und übernimmt unter anderem für die Immunabwehr wichtige Aufgaben. Es sorgt dafür, dass körperfremde Stoffe, wie zum Beispiel Viren oder Parasiten, abgewehrt werden, indem es das Immunsystem aktiviert. So sind beispielsweise Schmerzen, Juckreiz oder Schwellungen bei Kontakt mit körperfremden Stoffen auf die Wirkung von Histamin zurückzuführen. Im Magen-Darm-Trakt beispielsweise ist Histamin an der Magensäureproduktion und der Motilität (Bewegungsvermögen) des Darmes beteiligt.

Für die Histaminintoleranz hat die Ernährung einen großen Stellenwert, weshalb das Histamin in Lebensmitteln ebenfalls zu berücksichtigen ist. Dort tritt es als sogenanntes exogenes – also außerhalb des Organismus entstehendes – Histamin auf und ist in sehr vielen Nahrungsmitteln enthalten, die lange gelagert wurden oder gereift sind. Fertiggerichte, Konserven oder Tiefkühlkost sind daher bei einer Histamin-Unverträglichkeit genauso zu meiden, wie Rotwein, bestimmte Wurstsorten oder Hartkäse.

Als Ursache für eine Histaminintoleranz wird der Mangel des Histamin-abbauenden Enzyms Diaminoxidase (auch DAO oder Histaminase) angesehen. Mögliche Gründe dafür sind:

  • erbliche Veranlagung
  • krankheitsbedingte Schädigung der Dünndarmzellen, die das Enzym produzieren (zum Beispiel durch entzündliche Darmerkrankungen wie Morbus Crohn oder Zöliakie)
  • Hemmung der Funktionalität des Enzyms Diaminoxidase durch Medikamente oder Alkohol

Fehlt das Enzym im menschlichen Organismus oder hat es nur eine verminderte Funktion, kann der Körper das aus der Nahrung stammende Histamin nicht vollständig abbauen und es entsteht ein Ungleichgewicht. Auch die übermäßige Aufnahme von Histamin kann zu einer Überforderung des Enzyms führen, wodurch das Gleichgewicht ebenfalls gestört wird. Infolgedessen treten unterschiedliche Symptome auf.

Histamin-Unverträglichkeit: Die Symptome

Bei einer Histaminintoleranz sind die Symptome sehr vielfältig. In manchen Fällen zeigen sie sich nur an vereinzelten Stellen des Körpers. Jedoch ist es ebenso möglich, dass sie sich gleichzeitig in mehreren Regionen bemerkbar machen. Diese Verbreitung ist dadurch zu erklären, dass sehr viele Organe und Zellen Andockstellen (Rezeptoren) für Histamin besitzen und sich die Wirkung des Histamins erst durch eine Bindung an ebendiese Rezeptoren entfaltet. Bei einer hohen Histamin-Menge im Organismus kommt es zu einer ständigen Aktivierung jener Rezeptoren, was in der Folge unterschiedliche Histaminintoleranz-Symptome verursacht:

  • Haut: Eine Histamin-Unverträglichkeit aktiviert sogenannte Mastzellen (Zellen der körpereigenen Abwehr) in der Haut, die dann Botenstoffe freisetzen und zu Hauterscheinungen führen können. Nesselsucht (Urtikaria) zählt hier nicht selten zu den Symptomen. Dabei entstehen rote oder weiße Schwellungen der Haut, die meist eine rötliche Umrandung aufweisen und am ganzen Körper auftreten können. Oftmals löst dies gleichzeitig einen starken Juckreiz aus, der besonders die Haut über den geschwollenen Stellen betrifft. Die betroffenen Hautbereiche sind zudem stärker durchblutet, weshalb sie oft gerötet oder erwärmt sind.
  • Magen-Darm-Trakt: Das Histamin steigert nicht nur die Produktion der Magensäure, es stimuliert auch vermehrt die Muskelzellen des Magen-Darm-Traktes. Die Histaminintoleranz resultiert dadurch in Blähungen, Durchfall, Bauchschmerzen oder -krämpfen. In erster Linie treten diese Symptome beim Verzehr von histaminreichen Speisen auf.
  • Gehirn: Histamin kann durch die Freisetzung von Stickstoffmonoxid bewirken, dass sich die Blutgefäße weiten. Findet dies in den Arterien der Hirnhaut statt, besteht die Möglichkeit, dass starke Kopfschmerzen entstehen. Vor allem in Verbindung mit Migräne wird dieser Prozess in Fachkreisen diskutiert. Folgesymptome davon können Schwindel, Übelkeit und Erbrechen sein.
  • Herz-Kreislauf-System: Im Zusammenhang mit einer Histamin-Unverträglichkeit können durch Weitung der Herzkranzgefäße Herzrasen oder Herzstolpern ausgelöst werden. Auch deutlich spürbares Herzklopfen ist möglich. Findet eine Weitung der Blutgefäße im restlichen Körper statt, kann dies zu einem Abfall des Blutdrucks führen.

Schon während oder unmittelbar nach dem Verzehr von histaminreicher Nahrung oder dem Genuss von Alkohol kann bei Betroffenen einer Histaminintoleranz — aufgrund der Abwehrprozesse des Körpers — zudem eine laufende oder verstopfte Nase auftreten. In Ausnahmefällen sind auch starke Atemnot oder Asthma-Anfälle möglich. Bei Frauen ist außerdem das Auftreten von Menstruationsbeschwerden, wie beispielsweise Regelschmerzen, möglich.

Diagnose und Untersuchung einer Histaminintoleranz

Zur Untersuchung und Diagnose einer Histamin-Unverträglichkeit findet in der Regel zunächst ein Gespräch mit einem entsprechenden Facharzt statt. Als Ansprechpartner dienen hier Hautärzte (Dermatologen), Ärzte für die innere Medizin (Internisten) oder Ärzte, die auf allergische Krankheiten spezialisiert sind (Allergologen). Da die Symptome oftmals nicht eindeutig zuzuordnen sind, gibt es verschiedene Test- und Ausschlussverfahren, die als zusätzlicher Anhaltspunkt dienen.

Zunächst werden alle möglichen anderen Ursachen, wie zum Beispiel eine alternative Nahrungsmittelunverträglichkeit wie Fruktose- oder Laktoseintoleranz, Darmerkrankungen oder Geschwüre im Magen-Darm-Trakt ausgeschlossen.

Darüber hinaus ist es möglich, durch eine Umstellung der Ernährung eine Histaminintoleranz festzustellen. Dabei versucht man, möglichst alle Lebensmittel mit Histamin aus dem täglichen Ernährungsplan zu entfernen (Karenzphase). In der Folge werden verdächtige Lebensmittel stückweise wieder in den Speiseplan eingeführt, um herauszufinden, ab welcher individuellen Histamin-Menge Symptome zu Tage treten. Begonnen wird dabei mit Lebensmitteln mit geringen Histamin-Werten. Diese Werte werden nach und nach gesteigert (Testphase). Aus den Testergebnissen stellt der Arzt dann einen individuellen Ernährungsplan zusammen, der ein Leben ohne Symptome ermöglicht (Dauerphase).

Es existieren weitere Tests zur Ermittlung möglicher Hinweise auf eine Histamin-Unverträglichkeit, wie zum Beispiel die Messung der Aktivität des Enzyms Diaminoxidase (DAO) oder der Histamin-Menge im Blut. Ist die Funktion des Enzyms verringert oder die Menge an Histamin im Blut besonders hoch, besteht der Verdacht auf eine Histaminintoleranz. Auch eine Messung der Histamin-Menge im Stuhl und Urin kann ein erster Hinweis darauf sein. Da all jene Tests jedoch durch sehr viele Einflussfaktoren, wie im Falle der Stuhlproben durch die generelle Zusammensetzung der Nahrung, verfälscht werden können, dienen sie nicht als Verfahren zur zweifelsfreien Feststellung einer Histamin-Unverträglichkeit.

Wie wird die Histamin-Unverträglichkeit behandelt?

Die Behandlung einer Histaminintoleranz umfasst in erster Linie das Vermeiden von Faktoren, die die Symptome auslösen können. Hierbei ist es wichtig, zum Beispiel auf folgende histaminreiche Lebensmittel zu verzichten:

  • Hartkäse
  • gepökeltes Fleisch
  • Meeresfrüchte
  • Fisch (vor allem: Hering, Makrele, Sardelle, Thunfisch)
  • Wurst (zum Beispiel: Salami, roher Schinken, Innereien)
  • Konserven
  • Fertigprodukte
  • Hülsenfrüchte
  • Sojaprodukte
  • Hefe

Ebenso ist es ratsam, keinen der sogenannten Histaminliberatoren zuzuführen. Dabei handelt es sich um Lebensmittel, die den Körper dazu anregen, Histamin freizusetzen. Hierzu zählen unter anderem:

  • Kakao
  • Schokolade
  • Tomaten
  • Erdbeeren
  • Bananen
  • Ananas
  • Nüsse

Neben der Ernährung findet nicht selten auch eine medikamentöse Behandlung der Symptome einer Histaminintoleranz statt. Einerseits werden hier unter anderem sogenannte Antihistaminika eingesetzt, die die Wirkung des Histamins verringern und verhindern, dass es an den Rezeptoren der verschiedenen Organe andocken kann. Andererseits kann das Enzym Diaminoxidase, das Histamin abbaut, mittels einer Enzymersatztherapie ergänzt werden. Es wird in der Regel in Kapselform vor dem Essen eingenommen und sorgt so für eine Linderung der Symptome.

An dieser Stelle muss darauf hingewiesen werden, dass auch verschiedene Medikamente Ursache für eine Histamin-Unverträglichkeit sein können oder zumindest oft dazu beitragen, die auftretenden Symptome zu verschlimmern. Hierbei kann es helfen, Präparate abzusetzen, die Probleme bereiten. Wichtig ist nur, keinesfalls auf eigene Faust zu agieren und immer mit einem Arzt Rücksprache zu halten. Er kann beraten und am besten einschätzen, ob und wie lange eine laufende Medikation unterbrochen oder eingestellt werden kann.

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