Colitis ulcerosa: Therapie bietet keine Heilung, aber Linderung

17. September 2018

Colitis ulcerosa ist bislang nicht ohne Nebenwirkungen heilbar. Bei einer akuten Colitis ulcerosa zielt die Behandlung darauf ab, die Beschwerden zu lindern. Die langfristige Therapie trägt dazu bei, Ruhephasen der chronisch entzündlichen Darmerkrankung zu verlängern und einen erneuten Krankheitsschub zu verkürzen. Darüber hinaus sollen eine Schädigung des Darms vermieden und das mit Colitis ulcerosa verbundene höhere Darmkrebsrisiko reduziert werden. Lesen Sie hier mehr über die Therapiemöglichkeiten!

Akute Colitis ulcerosa: Fokus liegt auf schneller Heilung der Entzündung

Patienten von Colitis ulcerosa nehmen meist auch in den Ruhephasen entzündungshemmende Medikamente ein

Sobald die ersten Anzeichen für einen neuen Krankheitsschub auftreten, sollten Colitis ulcerosa-Patienten sofort ihren Arzt aufsuchen. Mit einer schnellen Therapie klingen Symptome wie Durchfall und Bauchkrämpfe zügig ab und Komplikationen können vermieden werden. Für die Behandlung werden entzündungshemmende Medikamente eingesetzt. Diese werden, je nachdem welche Teile des Dickdarms von der akuten Colitis ulcerosa betroffen sind, oral in Form von Tabletten oder Kapseln oder anal als Zäpfchen, Einlauf oder Rektalschaum angewendet.

Schlägt die Therapie mit entzündungshemmenden Mitteln alleine nicht an, werden zusätzlich Kortison oder spezielle Immunsuppressiva gegeben. Letztere unterdrücken das Abwehrsystem des Körpers. Sie werden bei der Behandlung eingesetzt, da eine Fehlfunktion des Immunsystems zu den möglichen Ursachen von Colitis ulcerosa zählt.

Die Behandlung erfolgt in der Regel ambulant. Bettruhe ist in der akuten Phase ebenfalls empfehlenswert. Bei einem fulminanten, das heißt schweren Schub mit hohem Fieber, starken Blutungen und Durchfällen, die zu einem ausgeprägten Gewichtsverlust führen, ist ein Krankenhausaufenthalt nötig. Die Medikamente werden dann meist als Infusion verabreicht.

Remissionstherapie bei Colitis ulcerosa: Neuen Krankheitsschub vermeiden

Sind die Symptome der akuten Colitis ulcerosa abgeklungen und ist die Krankheit wieder in eine Ruhephase eingetreten, wird eine langfristige Therapie festgelegt. Die Patienten nehmen meist weiterhin entzündungshemmende Medikamente ein, wenn auch in etwas geringerer Dosis. Studien belegen, dass die medikamentöse Behandlung das Risiko für neue Entzündungen reduziert. Auch das Darmkrebsrisiko soll dadurch sinken.

Zusätzlich oder als Alternative zu den entzündungshemmenden Mitteln können Erkrankte Probiotika einnehmen. Das sind Mikroorganismen, die die Darmflora verbessern und auf diese Weise ebenfalls einem neuen Krankheitsschub vorbeugen können. Darüber hinaus gibt es zahlreiche Forschungsansätze, die Therapie von Colitis ulcerosa zum Beispiel durch Antibiotika zu verbessern. Aber auch diese Ansätze versprechen keine Heilung, sondern lediglich eine Abmilderung des Krankheitsverlaufs.

Entfernung des Dickdarms: Heilung von Colitis ulcerosa mit Nebenwirkungen

Es gibt eine Heilungsmöglichkeit für Colitis ulcerosa: Da die Krankheit nur den Dickdarm befällt, ist sie durch einen chirurgischen Eingriff heilbar, bei dem der gesamte Dickdarm entfernt wird. Als Teil des Verdauungstraktes ist der Dickdarm unter anderem dafür verantwortlich, den Nahrungsbrei einzudicken und den Stuhlgang kontrollierbar zu machen. Wird der Dickdarm entfernt, entfällt diese Funktion. In der Vergangenheit wurde dieses Problem durch einen künstlichen Darmausgang gelöst.

Moderne Operationsmethoden ermöglichen es jedoch, aus dem Dünndarm eine Art Tasche zu formen, auch ileoanaler Pouch genannt, in der sich der Darminhalt sammelt. Auf diese Weise wird die Stuhlentleerung hinausgezögert und damit kontrollierbar. Dennoch ist die Entfernung des Dickdarms ein massiver Eingriff, der Risiken birgt. Bei Colitis ulcerosa wird diese Therapie deshalb nur eingesetzt, wenn die Darmwand durch ständige Entzündungen beschädigt wurde und Komplikationen drohen oder Anzeichen für Dickdarmkrebs bestehen.

Leben mit Colitis ulcerosa

Da Colitis-ulcerosa-Patienten keine Aussicht auf Heilung haben, es sei denn der Dickdarm wird entfernt, müssen sich Betroffene mit ihrer Krankheit arrangieren. Neben der Therapie mit Medikamenten gehört auch eine entsprechende Anpassung des Lebensstils dazu. So vertragen manche zum Beispiel kein rohes Gemüse mehr oder der Darm rebelliert bei sehr säurehaltigen Früchten.

Hinweis: Da Colitis ulcerosa jedoch nicht bei Jedem gleich verläuft, gibt es nur wenige allgemeine Tipps, wie sich durch eine Anpassung der Ernährung oder andere Veränderungen im Alltag Beschwerden lindern lassen. Es ist daher empfehlenswert, einen Ernährungskalender zu führen, auf dem jedes Essen mit all seinen Zutaten vermerkt wird, ergänzt um Angaben zum Wohlbefinden. So lässt sich über einen längeren Zeitraum herausfinden, was verträglich und was unverträglich ist.

Sinnvolle Nahrungsergänzungsmittel bei Colitis ulcerosa

Grundsätzlich gilt: Je besser ein Patient mit allen wichtigen Nährstoffen versorgt ist, desto größer ist der Erfolg der Behandlung. Insbesondere bei einem Krankheitsschub kann der Darm nicht alle notwendigen Nährstoffe aus der Nahrung herausziehen. Mit Trinknahrung und Nahrungsergänzungsmitteln kann einem allzu starken Gewichtsverlust und Mangelerscheinungen vorgebeugt werden. Treten Blutungen auf, sind Eisenpräparate sinnvoll, um eine Anämie zu vermeiden. Kalzium und Vitamin D wirken einem Knochenabbau entgegen. Osteoporose ist eine der möglichen Langzeitfolgen von Colitis ulcerosa, besonders wenn im Rahmen der Therapie Kortison eingesetzt wird.

Colitis ulcerosa: Wenn die Therapie das Immunsystem schwächt

Einer der möglichen Faktoren, die zu Colitis ulcerosa führen, ist eine Überreaktion des eigenen Immunsystems, bei der sich die Abwehrkräfte gegen eine veränderte Darmschleimhaut richten und Entzündungen auslösen. Dagegen soll eine Behandlung mit Immunsuppressiva helfen. Diese Medikamente schwächen jedoch die Abwehrkräfte des Körpers insgesamt. Aus diesem Grund sollten Patienten mit Colitis ulcerosa besonders auf den aktuellen Stand aller wichtigen Impfungen achten. Auch eine Impfung gegen saisonale Grippe, Hepatitis B und Pneumokokken ist empfehlenswert.

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Peggy Richter
Redakteur/in