Darmverschluss (Ileus): Was ist das?

7. November 2018

Als es der Frau nach dem Essen mit Freunden plötzlich schlecht geht, denkt sie zunächst an eine Lebensmittelvergiftung. Doch ihr Zustand verschlechtert sich dramatisch – sie hat krampfhafte Bauchschmerzen, ihr ist übel und sie muss sich übergeben. Die Freunde rufen den Notarzt. Im Krankenhaus stellt sich heraus, dass ein Darmverschluss die Ursache ist. Die schnelle Reaktion der Freunde war genau richtig, denn ein Darmverschluss kann lebensbedrohlich sein. Aber warum geht es der Frau plötzlich so schlecht? Was passiert bei einem Darmverschluss?

Der Darm kann seine Aufgaben nicht mehr erfüllen

Ein Darmverschluss kann lebensbedrohlich sein und erfordert schnelles Handeln

Bei einem Darmverschluss (Ileus) wird die Darmpassage entweder im Dünn- oder Dickdarm durch ein Hindernis oder eine Darmlähmung unterbrochen. Dadurch kann der Darm seine wichtige Funktion – den Transport des Nahrungsbreis durch den Verdauungstrakt – nicht mehr erfüllen. Normalerweise wird im Darm die im Magen begonnene Verdauung fortgesetzt. Die Hauptaufgabe des Dünndarmes ist die Aufnahme wichtiger Nährstoffe, Vitamine, Mineralien und von Wasser aus dem Nahrungsbrei über die Schleimhaut in das Blut. Der Dickdarm entzieht diesem Brei noch mehr Flüssigkeit und „dickt“ die Nahrungsreste ein, die der Körper nicht benötigt. Diese scheidet der Mensch wieder aus.

Wird der Verdauungsvorgang durch einen Darmverschluss behindert, hat das ernste Konsequenzen: Die bereits im Magen angedaute Nahrung staut sich im Darm. Es kommt zu Fäulnisprozessen. Durch diese Fäulnisgase und die Gase, die bei der Verdauung entstehen und nicht entweichen können, bläht sich der Bauch auf. Durch die angestauten Gase und die Nahrungsbreistauung weitet sich der Darm, wodurch die Darmschleimhaut geschädigt wird. Dadurch können Teile des Darms absterben. Zudem kann der Darm die Nahrungsbestandteile nicht mehr richtig in den Blutkreislauf überführen. Dadurch drohen dem Patienten Dehydrierung (Flüssigkeitsmangel) und starke Elektrolytverluste.

Notfallsituation Darmverschluss

Wird ein Darmverschluss nicht sofort behandelt, sind lebensbedrohliche Komplikationen möglich. Der schlimmste Fall tritt ein, wenn es zu einem Durchbruch der Darmwand (Perforation) kommt. Dabei bahnt sich der angedaute Nahrungsbrei seinen Weg in die Bauchhöhle. Die im Darm des Menschen lebenden Bakterien, meist Kolibakterien (Escherichia coli) oder Enterokokken, können in der Bauchhöhle großen Schaden anrichten und eine lebensbedrohliche Bauchfellentzündung oder eine Blutvergiftung (Sepsis) auslösen.

Darmverschluss: Warum „verschließt“ der Darm?

Ein Darmverschluss kann viele verschiedene Ursachen haben. Grundsätzlich unterscheiden Mediziner jedoch zwei Arten des Darmverschlusses (Ileus):

  • Mechanischer Ileus: Bei einem mechanischen Ileus ist der Weitertransport des Nahrungsbreis in Dünn- oder Dickdarm durch ein Hindernis, wie Verklebungen oder Tumore, gestört oder aber von innen oder außen eingeengt. Im Dünndarm sind vor allem Verwachsungen oder narbige Stränge infolge einer Operation, im Dickdarm Tumore für den Passagestopp verantwortlich.
  • Paralytischer (funktioneller) Ileus: Zu einer Darmlähmung kommt es aufgrund von Entzündungen im Bauchraum sowie Stoffwechsel- und Durchblutungsstörungen. Auch einige Medikamente hemmen die Darmbewegung (Motilität).

Neben diesen beiden Arten des Darmverschlusses ist auch eine Mischform möglich. Häufig entwickelt sich bei einem mechanischen Ileus im späteren Verlauf auch eine Darmlähmung, weil der Darm sich beim Versuch, das Hindernis zu durchbrechen, überanstrengt.

Symptome eines Darmverschlusses erkennen

Die Symptome eines Darmverschlusses können sich je nach Ursache und Lage des Hindernisses stark unterscheiden. Bei einem paralytischen Ileus entwickeln sich die Krankheitsanzeichen meist langsamer als bei einem mechanischen Ileus. Das macht die richtige Interpretation der Beschwerden schwierig. Charakteristisch treten bei einem Ileus vor allem auf:

  • sehr starke Bauchschmerzen
  • Erbrechen (zum Teil auch von Kot)
  • Gasansammlung im Darm
  • fehlender Stuhlgang

Der Arzt befragt den Patienten ausführlich nach seiner Krankengeschichte. Außerdem geben Ultraschall- und Röntgenuntersuchungen weitere Erkenntnisse. Blutuntersuchungen werden unter Umständen durchgeführt, um den Elektrolytstatus und Gerinnungswerte zu überprüfen.

Darmverschluss: Behandlungsmöglichkeiten

Die Behandlung eines Darmverschlusses richtet sich nach der Ursache der Transportstörung. Bei einem paralytischen Ileus muss der Arzt die Ursache der Darmlähmung behandeln. Entsprechende Medikamenten können die Bewegung des Darms wieder aktivieren.

Bei einem mechanischen Ileus ist hingegen eine sofortige Operation (innerhalb weniger Stunden) unumgänglich. Ziel der Operation ist es, das Hindernis zu beseitigen. Während die Ärzte die Operation vorbereiten, bekommen Patienten im Krankenhaus meist Flüssigkeit und Elektrolyte per Infusion verabreicht. Außerdem geben die behandelnden Ärzte dem Patienten Antibiotika, um möglichen Infektionen, die während der Darmoperation entstehen können, vorzubeugen.

Nach dem Eingriff verbringt der Operierte ein bis drei Wochen im Krankenhaus und wird die ersten Tage nach der OP über einen Tropf ernährt. Der Darm muss sich erst ganz langsam wieder an die Nahrungsverdauung gewöhnen. Deshalb bekommen die Patienten zunächst nur Tees und Suppen und werden dann allmählich an festere Kost herangeführt.

Darmverschluss vorbeugen – geht das?

Das Risiko eines Darmverschlusses ist nicht vollständig vermeidbar, ein gesunder Lebensstil mit ausreichend sportlicher Betätigung fördert jedoch die Darmtätigkeit. Besonders Menschen, die bereits einen Darmverschluss hatten, sollten sich bezüglich ihrer Ernährung mit dem Arzt absprechen.
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Miriam Och
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Medizinredakteurin und Kommunikationswissenschaftlerin