Was ist ein Speiseröhrenkrampf?


Bei einem Speiseröhrenkrampf (Ösophagusspasmus) handelt es sich um eine Muskelbewegungsstörung der Speiseröhre. Aber was bedeutet das genau?

Unsere Speiseröhre (Ösophagus) zieht sich ständig zusammen. Das ist ganz normal und sogar sehr wichtig. Ihre Hauptfunktion ist der Transport von Flüssigkeit und Nahrung. Die rhythmischen Bewegungen der Muskeln (Kontraktionen) ermöglichen, dass der Nahrungsbrei in den Magen geschoben wird.

Bei einem Speiseröhrenkrampf spielt die Muskulatur jedoch verrückt und verkrampft. Warum sie das tut, ist Medizinern bisher noch nicht ganz klar. Vermutlich spielen virale Infekte (zum Beispiel mit Herpes-Viren) eine Rolle. Infolge dieser – so die Annahme – werden durch Autoimmunprozesse Nervenzellen zerstört, was sich wiederum auf die Entspannungsfähigkeit der Muskeln auswirkt. Aber auch eine genetische Veranlagung scheint bei vielen Betroffenen verantwortlich zu sein.

Gut zu wissen:

Neben Ösophagusspasmen unterscheiden Ärzte auch andere Formen von Beweglichkeitsstörungen der Speiseröhre. Relativ weit verbreitet ist beispielsweise der sogenannte Nussknacker-Ösophagus, der durch spastische Kontraktionen im unteren Bereich der Speiseröhre gekennzeichnet ist. Bei einer Achalasie hingegen kann sich der Schließmuskel am Eingang zum Magen nicht mehr richtig öffnen.

Wie äußert sich ein Speiseröhrenkrampf?


Der Speiseröhrenkrampf ist bislang noch relativ unerforscht. Die Symptome bestehen meist nicht kontinuierlich, sondern treten immer wieder auf. Dabei kann auch die Stärke variieren.

Zu den Beschwerden zählen

  • Schmerzen hinter dem Brustbein,
  • Herauswürgen der Nahrung beziehungsweise Erbrechen,

Betroffene berichten zudem, dass ihnen das Essen sprichwörtlich im Halse stecken bleibt. Die Angst vor einem erneuten Krampf führt oft sogar so weit, dass Patienten nicht mehr in der Öffentlichkeit oder mit Freunden Essen gehen. Zu einer großen Belastung können zudem plötzliche nächtliche Speiseröhrenkrämpfe werden, die den wohlverdienten Schlaf stören.

Wie lange dauert ein Speiseröhrenkrampf?


Die Dauer eines Speiseröhrenkrampfes fällt sehr unterschiedlich aus. Der Anfall kann einige Sekunden bis Minuten, selten auch Stunden anhalten. Oftmals tritt er während des Essens auf, der Krampf kann aber auch unabhängig von der Nahrungsaufnahme ausgelöst werden. Vor allem

  • sehr hastiges Essen,
  • Stress sowie
  • sehr kalte oder heiße Lebensmittel

scheinen das Auftreten der Beschwerden zu begünstigen.

Wie kann der Arzt Speiseröhrenkrämpfe feststellen?


Patienten haben oftmals einen längeren Leidensweg hinter sich, bis schließlich die richtige Diagnose gestellt wird. Das liegt zum einen daran, dass die Erkrankung selten ist, zum anderen ähneln die Symptome denen anderer Erkrankungen.

Der Arzt muss beispielsweise folgende Ursachen ausschließen:

Zur Diagnosestellung kommen zunächst verschiedene bildgebende Verfahren (Röntgenuntersuchung, Elektrokardiogramm) zum Einsatz, um die Funktionsfähigkeit des Herzens zu überprüfen. Mithilfe einer Säuremessung stellt der Mediziner zudem sicher, dass die Beschwerden nicht durch in die Speiseröhre aufsteigende Magensäure verursacht werden.

Im Anschluss wird eine Manometrie (Druckmessung) durchgeführt. Mit ihr lassen sich Bewegungsstörungen in der Speiseröhre feststellen. Dazu führt der Arzt eine kleine Sonde über den Mund ein und schiebt sie vorsichtig bis in den Magen. Der Patient muss während der Untersuchung mehrmals einen kleinen Schluck Wasser trinken. Die Sonde misst den dabei entstehenden Druck und übermittelt die Daten an einen Computer. Die Untersuchung dauert 15 bis 30 Minuten (ohne Auswertung).1

Wie kann der Arzt Speiseröhrenkrämpfe behandeln?


Speiseröhrenkrämpfe sind bisher nicht heilbar, die Medizin steht hier noch am Anfang. Wurde die Diagnose gestellt, stehen dem Arzt aber dennoch verschiedene Möglichkeiten zur Behandlung der Symptome zur Verfügung. Dazu gehören beispielsweise folgende Medikamente:

  • Kalziumantagonisten hemmen eine Übererregung von Muskeln.
  • Säureneutralisierende oder -reduzierende Mittel lindern vor allem Beschwerden durch saures Aufstoßen.
  • Manchmal injiziert der Arzt auch muskelentspannende Wirkstoffe, die ansonsten zur Straffung von Falten eingesetzt werden. Sie werden endoskopisch in die Muskulatur der Speiseröhre gespritzt und lähmen diese für kurze Zeit. Jedoch hält die Wirkung nur einige Monate an, dann muss der Mediziner die Therapie wiederholen.

Helfen diese Maßnahmen nicht, ist als letzte Wahl eine Operation möglich. Der Chirurg durchtrennt dabei die Muskulatur der Speiseröhre. Da Patienten im Anschluss jedoch Probleme mit Reflux entwickeln können, wird diese Option nur selten gewählt.

Was können Sie selbst gegen die Beschwerden tun?


Vorneweg: Wenn Sie an Speiseröhrenkrämpfen leiden, sollten Sie diese ärztlich untersuchen und behandeln lassen. Zusätzlich können Sie selbst einiges tun, um akute Krämpfe zu lindern und ihnen vorzubeugen. Folgende Tipps helfen Ihnen dabei:

  • Meiden Sie bestimmte Lebensmittel, die Ihrer Meinung nach die Beschwerden hervorrufen oder verstärken.
  • Kauen Sie jeden Bissen gründlich und essen Sie in Ruhe. Alternativ können Sie die Mahlzeiten auch pürieren.
  • Nehmen Sie während des Essens viel Flüssigkeit zu sich, damit die Nahrung besser hinuntergleiten kann.
  • Gehen Sie bei Problemen mit dem Schlucken ein paar Schritte umher.
  • Sitzen Sie beim Essen aufrecht.
  • Verzichten Sie auf größere Portionen unmittelbar vor dem Zubettgehen.
  • Schlafen Sie mit erhöhtem Oberkörper.

Einige Betroffene berichten zudem, dass ihnen das Trinken von Mineralwasser mit Kohlensäure bei einem akuten Krampf hilft. Alternativ können Sie auch einen Tropfen Pfefferminzöl in ein Glas Wasser geben. Das ätherische Öl wirkt krampflösend.

Jan Henkel wurde 1980 in Heidelberg geboren. Sein Studium schloss er als Diplom-Volkswirt und mit einem Magister erfolgreich ab. Heute ist er unter anderem als freiberuflicher Texter tätig und widmet sich vorrangig Themen aus dem Gesundheits- und Medizinbereich. Jan Henkel Freiberuflicher Redakteur kanyo® mehr erfahren
Aufgewachsen in einer Familie aus Krankenschwestern und Journalisten, interessierte sich Miriam Och bereits sehr früh für die Themen Medizin und Medien. Nach verschiedenen Praktika im journalistischen Bereich – unter anderem bei der Deutschen Welle in Washington D.C. – absolvierte sie erfolgreich ihr Masterstudium Kommunikationswissenschaft an der Otto-Friedrich-Universität in Bamberg. Seit 2017 arbeitet sie als Medizinredakteurin bei kanyo®, wo sie ihre beiden Leidenschaften optimal miteinander verknüpfen kann. Miriam Och Medizinredakteurin und Kommunikationswissenschaftlerin kanyo® mehr erfahren
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Quellen anzeigen
  • 1Wehrmann, Till: » Ösophagusmanometrie.« In: Funktionsdiagnostik in der Gastroenterologie. Medizinische Standards. Stein, J./ Wehrmann, T. (Hg.). Berlin/Heidelber: Springer-Verlag 2002. S. 23.