Roemheld-Syndrom: Herzbeschwerden durch Blähungen

13. November 2018

Anfang des 20. Jahrhunderts bemerkte der Arzt Ludwig von Roemheld etwas Seltsames. Viele seiner Patienten berichteten von Symptomen, die jenen eines Herzinfarkts ähnelten. Eine Erkrankung des Herzens konnte er jedoch nicht feststellen. Stattdessen erkannte er: Die Ursachen lagen in Magen und Darm begründet. Wegen ihres Entdeckers wird diese Gruppe von Beschwerden daher Roemheld-Syndrom genannt. Im Folgenden erfahren Sie, welche Symptome und Möglichkeiten der Therapie es gibt. Außerdem werden die Ursachen und Diagnoseverfahren thematisiert.

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Symptome des Roemheld-Syndroms ähneln Herzinfarkt

Mann, der am Roemheld-Syndrom leidet, hält sich die Brust aufgrund von Herzinfarkt-ähnlichen Schmerzen

Haben Sie Herzklopfen oder ein Engegefühl in der Brust? Dass diese Symptome etwas mit Magen oder Darm zu tun haben könnten, vermuten wahrscheinlich die wenigsten. Jedoch kann genau das zutreffen. Dem Roemheld-Syndrom werden verschiedene Herzbeschwerden zugeordnet, deren Ursache im Magen-Darm-Trakt zu finden ist. Die Symptome treten meist anfallartig nach Mahlzeiten auf und verschwinden nach kurzer Zeit von alleine wieder. Das Roemheld-Syndrom ist zwar nicht gefährlich, viele Betroffene empfinden es dennoch als angsteinflößend, da seine Anzeichen denen eines Herzinfarktes ähneln.

Zu Symptomen des Roemheld-Syndroms (auch Gastrokardiales-Syndrom genannt) gehören:

  • starkes Herzklopfen
  • Kurzatmigkeit und Atemnot
  • Hitzewallungen
  • Schwindel und Schlafstörung
  • Sodbrennen
  • Herzstolpern
  • Engegefühl in der Herzgegend
  • Angstzustände

Gerade die Hitzewallungen und die Angstzustände sind dabei auf die Aktivierung des autonomen Nervensystems zurückzuführen. Werden Schmerzen am Herz empfunden oder ist die Herzfunktion beeinträchtigt, liegt nicht selten eine Reizung des Sympathikus vor. Er ist Bestandteil des vegetativen Nervensystems und beispielsweise für die sogenannte Kampf-oder-Flucht-Reaktion zuständig. Befindet sich der Mensch in einer Stresssituation, schüttet das Gehirn dabei vermehrt Adrenalin aus, um den Körper in eine erhöhte Aktions- oder Kampfbereitschaft zu versetzen. Dies führt in der Regel zu einer Steigerung der Atemfrequenz und zu einem größeren Blutumsatz des Herzens. In der Folge können Hitzewallungen oder Angstzustände entstehen.

Gut zu wissen: Bei einem Herzinfarkt strahlen die Schmerzen häufig in den Oberbauch, in die Arme oder den Unterkiefer aus. Dies ist zwar auch beim Roemheld-Syndrom möglich, jedoch beschreiben Betroffene derartige Beschwerden hier sehr viel seltener. Sind Sie sich nicht sicher, ob es sich um einen Herzinfarkt oder Symptome des Roemheld-Syndroms handelt, sollten Sie unbedingt einen Notarzt verständigen.

Roemheld-Syndrom: Was sind die Ursachen?

Aber wie genau entstehen die Symptome des Roemheld-Syndroms? Beim Roemheld-Syndrom stecken meist Blähungen hinter den Symptomen. Das lässt sich folgendermaßen erklären: Normalerweise liegt das Zwerchfell genau zwischen Bauchraum und Brusthöhle. Durch eine vermehrte Ansammlung von Darmgasen entsteht im Bauch ein Druck und das Zwerchfell wird nach oben gegen das Herz und die Lunge gedrückt. Die Folge ist ein Engegefühl in der Herzgegend und die Lunge hat nicht mehr genügend Platz, um sich zu entfalten, was die Atemschwierigkeiten erklärt.

Warum sich das Zwerchfell bei einigen Menschen, die Blähungen haben, leichter nach oben drücken lässt, ist bisher nicht bekannt. Eventuell besteht ein Zusammenhang mit der Atmung. Bei Menschen, die vermehrt mit dem Brustkorb und nicht mit dem Zwerchfell atmen, ist letzteres weniger trainiert und kann daher vielleicht leichter nach oben verschoben werden. Genau erforscht wurde diese Theorie jedoch bisher noch nicht.

Bei der Entstehung von Blähungen spielt vor allem die Ernährung eine wichtige Rolle. Sehr fettiges Essen oder der Verzehr von blähenden Lebensmitteln wie Hülsenfrüchten oder Kohlgemüse regt die Produktion von Darmgasen besonders an. Die im Darm vorkommenden Bakterien (Darmflora) zersetzen die Nahrung, wobei als Neben- oder Endprodukt Gase wie Methan, Kohlenstoffdioxid und Schwefelwasserstoff freigesetzt werden. Entweichen diese durch Flatulenzen (Winde) oder den Abtransport über das Blut nicht vollständig, sammeln sie sich im Magen-Darm-Trakt an und können Beschwerden herbeiführen.

Darüber hinaus sorgen auch die folgenden Faktoren für eine übermäßige Gasansammlung im Darm und dadurch für die Symptome des Roemheld-Syndroms:

Zu einer Verschiebung des Zwerchfells kann es jedoch auch bei anatomischen Veränderungen wie einem Zwerchfellbruch (Hiatushernie) kommen, bei dem ein Teil des Magens durch die Zwerchfellöffnung in die Brusthöhle gedrückt wird. Normalerweise dient das Zwerchfell als eine Trennwand zwischen der Brust- und Bauchhöhle, die jedoch von Natur aus verschiedene Öffnungen besitzt — zum Beispiel für die Speise- und Luftröhre. Durch diese Öffnungen kann ein Teil des Magens hindurchrutschen und somit den darüber liegenden Bereich für Herz und Lunge einengen.

Roemheld-Syndrom: Wie stellt der Arzt die Diagnose?

Aufgrund der Symptome, mit denen Roemheld-Syndrom-Patienten in die Klinik kommen, legt der Arzt seinen Fokus meist zunächst auf die Untersuchung von Brust, Lunge und Herzen. Patienten müssen häufig viele Arztbesuche mitmachen und Termine bei Kardiologen (Herzspezialisten) und Internisten (Fachärzte für Innere Medizin) wahrnehmen. Erst wenn die Fachärzte organische Herzerkrankungen ausschließen können, stellen sie als Ausschlussdiagnose das Roemheld-Syndrom.

Im weiteren Verlauf untersucht der Arzt den Magen-Darm-Bereich zum Beispiel mittels Ultraschalluntersuchung genauer und befragt den Patienten nach seinen Essgewohnheiten, Unverträglichkeiten und Magen-Darm-Erkrankungen.

Belastende Ungewissheit: Das Roemheld-Syndrom ist für Betroffene vor allem deshalb so belastend, weil die Symptome (wie das Engegefühl in der Herzgegend) beängstigend sind und es sich lange hinziehen kann, bis es zur tatsächlichen Diagnose kommt. Oft bleibt das Roemheld-Syndrom als Ursache auch unentdeckt.

Therapie und Vorbeugung des Roemheld-Syndroms

Die Therapie des Roemheld-Syndroms strebt in erster Linie ein Verhindern von Gasansammlungen im Magen-Darm-Trakt an. Bei einer Magen-Darm-Entzündung kann beispielsweise eine Behandlung mit Antibiotika nötig sein.

Vermutet der Arzt hingegen Essgewohnheiten als Ursache der Blähungen, sind deshalb folgende Maßnahmen zur Vorbeugung hilfreich:

  • Vermeiden Sie rohe, besonders fetthaltige oder blähende Lebensmittel (zum Beispiel Milchprodukte, frisches Brot oder Zwiebeln). Nahrungsmittel, gegen die Sie eine Unverträglichkeit haben, sollten Sie ebenfalls meiden. Bestenfalls lassen Sie sich zur Vorbeugung vom Arzt auf mögliche Nahrungsmittelintoleranzen untersuchen.
  • Regelmäßige Bewegung, wie zum Beispiel kurze Spaziergänge nach dem Essen, kurbeln die Verdauung an und beschleunigt die Aufnahme von Darmgasen ins Blut. Außerdem kann die Bewegung einer Stärkung des Zwerchfells dienen, was das Auftreten der Symptome weniger wahrscheinlich macht.
  • Trinken Sie weniger Alkohol und kohlensäurehaltige Getränke, da diese ebenfalls Blähungen hervorrufen können.
  • Nehmen Sie über den Tag verteilt lieber mehrere kleinere Mahlzeiten ein und essen Sie etwas langsamer. Denn sehr hastiges oder zu viel Essen erhöhen die Gasproduktion im Darm.

Bei akuten Blähungen kann eine sanfte Bauchmassage die Darmbewegung ankurbeln. Bewegen Sie dafür Ihre Hand in kreisenden Bewegungen und in Richtung Uhrzeigersinn um den Bauchnabel. Außerdem können Sie zur Therapie des Roemheld-Syndroms Hausmittel gegen Blähungen ausprobieren. Empfehlenswerte Teesorten sind beispielsweise Anis, Kümmel oder Fenchel. Daneben ist in der Apotheke eine Vielzahl von Medikamenten erhältlich, die ebenfalls gegen die Luft im Bauch wirken. Lassen Sie sich diesbezüglich am besten von Ihrem Arzt oder Apotheker beraten.

Hinsichtlich der Heilungschancen des Roemheld-Syndroms muss an dieser Stelle gesagt werden, dass eine vollständige Genesung oftmals nicht möglich ist. Durch die beschriebenen Therapie- und Vorbeugungsmaßnahmen ist eine Linderung beziehungsweise Reduzierung der auftretenden Symptome jedoch insoweit möglich, dass die Betroffenen sehr gut mit der Krankheit leben können.

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